
Evolution of a Podcast
Oder: Wie aus einer Idee ein Erfahrungsraum wurde
Ein Podcast beginnt oft mit einem Plan. Unserer begann zunächst mit einer vagen Idee und dann mit der Frage: “Was passiert, wenn wir Coaching nicht erklären – sondern einfach geschehen lassen?“
Keine Fallbeispiele aus der Praxis und keine theoretischen Modelle. Die findest du in der Podcast Welt ohne Ende. Auch keine fertigen Lösungen oder jedes mal ein Happy End.
Sondern eine Figur aus einer fiktiven Geschichte. Eine von uns in der Rolle des Coachee und eine in der Rolle des Coaches. Dazu ein echtes Coaching – ohne zu wissen, wo es endet. Heute, 21 Folgen später, ist genau das geblieben: das Nicht-Wissen. Und das Vertrauen, dass es funktioniert.
Warum wir „Once Upon A Coach“ heißen
„Once upon a time …“ – so beginnen Märchen. Mit einem Versprechen und mit einem Raum, in dem alles möglich sein kann. Wir haben daraus „Once Upon A coach“ gemacht.
Nicht, weil wir Märchen erzählen wollen, sondern weil Coaching oft genau dort beginnt, wo Geschichten beginnen: bei einer Figur, die an einem Wendepunkt steht. In Märchen ist es die Held:in, die auszieht, um Prüfungen zu bestehen. Bei uns ist es oft die Nebenfigur, die stehen bleibt und merkt: So geht es nicht weiter.
„Once Upon A Coach“ bedeutet für uns: Es gab einen Moment im Leben unserer Figur, da wurde nicht weitergemacht wie bisher. Da wurde gesprochen, gefragt und hingehört. Was daraus wird, ist offen. Ein Coaching ist kein Happy End. Aber es kann ein Wendepunkt sein. Und genau das steckt in unserem Namen.
Wer wir sind
“Hallo, und willkommen zurück, ich bin Anette – und ich bin Judith – wir sind zwei Life-Coaches und bei Once Upon A Coach machen wir Coachings für fabelhafte Persönlichkeiten von A wie Aschenputtel über Harry Potter bis Z wie Zwerg Nase.”
So beginnt jede einzelne Folge unseres Podcasts. Dieser Einstieg ist bewusst schlicht gehalten. Keine Musikdramaturgie, kein Spannungsaufbau, kein großes Tamtam. Nur unsere beiden Stimmen, unsere Idee und ein Format, das es so nicht an jeder Ecke gibt.
Judith Pfeiffer und ich kennen uns seit fast sechs Jahren. Kennengelernt haben wir uns in The Content Society, damals als Blog-Buddies. Was als gegenseitige Unterstützung fürs Schreiben begann, wurde schnell mehr: regelmäßige Zoom-Treffen, Austausch über Online-Business, über Coaching, über Selbstständigkeit – über das, was sichtbar ist, und das, was niemand sieht. Unser erstes persönliches Treffen fand also vor einer Kamera statt. Im November 2024 nahmen wir unser Willkommensvideo für den Podcast auf. Das war gleichzeitig unser erstes „echtes“ Kennenlernen außerhalb kleiner Zoom-Fenster. Und ja – wir mögen uns immer noch.
Die Idee zum Podcast entstand nicht strategisch. Sie wuchs aus Gesprächen, aus unserem gemeinsamen Denken. Und in erster Linie aus dem Wunsch, Coaching nicht nur zu erklären, sondern erlebbar zu machen.

Was wir unterschätzt haben? Mit Sicherheit den ganzen Aufwand an Technik, Planung, Veröffentlichung, Plattformen, Timing, Social Media, Kommunikation, Rechtliches, Struktur, Branding, Krankheitsphasen. Und immer wieder: Terminfindung. Unser anfänglicher Enthusiasmus war groß, fast schon naiv. Wir hatten eine Idee – und dachten, der Rest würde sich schon ergeben. Das tat er auch, nur nicht ohne Arbeit. Wäre ja zu schön gewesen. Kurz vor dem offiziellen Start im Januar 2025 lagen Monate Vorbereitung hinter uns. Immer wieder Aufnahmen, neu denken, feinjustieren, entscheiden. Und dann ging die erste Folge live. Sie war nicht perfekt, aber stimmig. Wir waren aufgeregt und stolz! Was geblieben ist: die Freude an den Aufnahmen. Dieses Knistern, wenn eine Figur plötzlich lebendig wird. Das gemeinsame Lachen. Vor allem aber die Momente, in denen wir merken: Hier passiert gerade etwas, das wir nicht planen konnten. Genau deshalb machen wir weiter.
Unser dritter Gesprächspartner: der Märchenwald

Hinter uns steht bei jeder Aufnahme derselbe Hintergrund: ein Märchenwald. Kein wechselndes Setting, sondern immer derselbe Wald. Für uns ist er mehr ist als Kulisse. Ein Wald ist ein Zwischenraum. Unsere Figuren gehen hinein, um etwas zu klären. Manchmal verirren sie sich, manchmal treffen sie auf Widerstände. Aber es führt jedes mal ein Weg hinaus. Meist ist das ein neuer Weg. Der Märchenwald erinnert uns daran, dass wir uns in einem Geschichtenraum bewegen. Er steht still – während sich im Gespräch etwas bewegt. Vielleicht ist er deshalb der ruhigste und verlässlichste Teil unseres Podcasts.
Warum wir Nebenfiguren coachen
In jeder Folge schlüpft eine von uns in die Rolle einer fiktiven Figur. Manchmal aus einem Märchen, manchmal aus moderner Fantasy. Anfänglich war unser Coachee noch die Hauptfigur. Nach ein paar Folgen entschieden wir uns für eine Nebenfigur. Nicht für die Heldin oder den starken Retter, sondern die, die im Hintergrund steht. Warum? Weil Nebenfiguren oft mehr tragen, als man denkt. Sie halten Strukturen zusammen und funktionieren innerhalb der Geschichte. Sie stellen sich hinten an. Genau dort entstehen die leisen, oft überhörten Konflikte. Die Distanz zur Figur schafft einen sicheren Raum. In einer Rolle darf man Dinge aussprechen, die man als „man selbst“ vielleicht nicht so klar formulieren würde. Und plötzlich wird es sehr ehrlich. Manchmal sogar erstaunlich ehrlich.
Wir schneiden nicht
Was passiert, bleibt. Keine Pausen werden herausgenommen, kein Gedanke wird nachträglich verändert, kein Umweg wird gekürzt. Echte Gespräche haben Brüche. Sie sind nicht immer fließend, sondern haben ein Zögern. Oder auch mal ein Lachen an unerwarteten Stellen. Coaching ist kein linearer Ablauf. Es ist ein Prozess. Und Prozesse verlaufen selten gerade. Wir haben uns bewusst entschieden, nichts zu glätten. Nicht, weil wir es nicht könnten, sondern weil wir die Echtheit bewahren wollen. Ein einziges Mal haben wir während des Coachings geschnitten, als im Nachbarhaus immer wieder Bohrgeräusche zu hören waren und den Coaching Verlauf unterbrach. Den Anfang und das Ende schneiden wir allerdings, da wir uns vorher schon warm reden, bevor das eigentliche Coaching startet bzw. wir uns langsam hinaus driften lassen, Absprachen für die Veröffentlichungen treffen etc.
Wir wiederholen nichts
Es gibt bei uns keine zweite Aufnahme von ein und derselben Situation bzw. Coaching Anliegen. Denn sobald man weiß, was gleich passiert, verändert sich etwas. Die Reaktion ist nicht mehr spontan. Die Energie verschiebt sich und vor allem: das Überraschungsmoment ist weg. Wenn eine Folge nicht funktioniert, verschwindet sie in der Schublade. Das ist bisher zweimal passiert: Einmal, weil sich im Verlauf zeigte, dass die gewählte Figur nicht für ein Coaching geeignet war. Die Dynamik stimmte nicht, die Rolle ließ sich nicht tragfähig halten. Daraus zogen wir allerdings die Erkenntnis, dass wir auch einmal eine Folge mit einer nicht für das Coaching geeigneten Figur zeigen wollten. Ja, auch das gibt es. Zum zweiten, weil ein Thema eine persönliche Triggererfahrung berührte. So deutlich, dass es nicht mehr möglich war, in der Rolle zu bleiben.
In beiden Fällen haben wir aufgehört. Wir haben nicht versucht, etwas zu retten oder gar zusammenzuschneiden. Wir haben nicht neu aufgenommen oder irgendetwas zurechtgebogen. Manchmal ist das Beenden einer solchen Folge die ehrlichere Entscheidung.
Die Sache mit den Requisiten
Wir sind doch ein Podcast, wozu also Requisiten? In jeder unserer bisherigen 21 Folgen gibt es ein kleines sichtbares Zeichen der Rolle: ein Hut, ein Schal, ein Kleidungsstück, ein digitaler Schnurrbart über Zoom, eine improvisierte Kopfbedeckung. Warum machen wir das? Ein ganz profaner Grund: Wir veröffentlichen unsere Folgen auch auf Youtube. Da verdeutlicht es einfach die Rolle visuell. Aber ein zweiter Grund ist viel wesentlicher: Sobald eine von uns das Accessoire aufsetzt, verändert sich etwas. Die Haltung, die Stimme oder der Blick auf die Welt der Figur. Es ist ein sichtbarer Übergang in die Rolle. Zudem hilft es uns, Leichtigkeit zu zulassen – auch bei schweren Themen. Mit einem Schnurrbart von Zoom wird ein Captain Hook lebendiger, mit einem Hexenhut eine McGonagall greifbarer. So kann eine Figur viel “echter” ihre Unsicherheit oder auch Ohnmacht zeigen. Somit ist ein Accessoire kein Gag. Vielmehr ist es eine Einladung, tiefer zu gehen.





Humor als Türöffner
Unsere Themen sind nicht immer leicht. Es geht um Loyalität, Angst, Überforderung, Schuld, innere Zerrissenheit. Und trotzdem – oder gerade deshalb – lachen wir. Versteh mich nicht falsch: Wir lachen nicht über die Figur, sondern über das Menschsein und welche Situationen zutage kommen. Humor schafft Weite. Er nimmt Druck raus, ohne das Thema klein zu machen. Manchmal entsteht genau in diesem Moment eine neue Perspektive. Genau das wollen wir erreichen: einen Perspektivwechsel möglich machen. Leichtigkeit und Tiefe schließen sich nicht aus. Sie brauchen einander.
Was sich verändert hat
Mit jeder Folge ist unser Vertrauen in uns gewachsen. Wir erklären weniger. Wir halten Pausen länger aus. Wir hören genauer zu und wir zeigen schon mal die eine oder andere Methode. Oft nicht wie aus dem Lehrbuch, aber wenn sie genau dann passt, dann nutzen wir sie.
Der Podcast ist für uns kein einfaches Nebenprojekt mehr. Er ist ein Raum, in dem wir selbst lernen: über unterschiedliche Prozesse, Rollenverhalten, Entwicklungen und Weltanschauungen. Über das, was entsteht, wenn man nicht sofort steuert. Er hat unsere Art zu coachen nicht verändert – aber vielleicht doch vertieft. Auf jeden Fall reflektieren wir mehr, da wir uns im Nachgang sofort darüber unterhalten.
Eine Einladung
Unser Podcast ist kein Lehrbuch. Er ist ein Erfahrungsraum für die Zuhörer:innen. Vielleicht erkennst du dich nicht in der Figur, aber vielleicht in dem Gefühl, das sie beschreibt. Vielleicht hörst du eine Nebenrolle sprechen – und merkst, dass du selbst lange eine gespielt hast. Wenn du neugierig bist, wie Coaching aussehen kann, wenn man es nicht inszeniert, sondern zulässt, dann findest du uns bei Once Upon A Coach. Wir freuen uns, wenn du am Ende etwas mitnimmst. Nicht, weil wir es geplant haben, sondern weil es während des Coachings entstanden ist. Manches entsteht in unserem Podcast nur einmal. Genau das macht es wertvoll.
Wenn Coaching auf Engagement trifft: Unsere Teilnahme am Podcasthon
In diesem Jahr gehen wir mit unserem Podcast sogar noch einen Schritt weiter. Wir nehmen am Podcasthon teil – einer weltweiten Initiative, bei der Podcasts eine Folge einer gemeinnützigen Organisation widmen, um Aufmerksamkeit für deren Arbeit zu schaffen. Unsere Folge erscheint am 18. März 2026. Wir widmen sie Harambee.at – einem Projekt, das Familien und Kinder in Kenia unterstützt und konkrete Hilfe ermöglicht, dort wo sie dringend gebraucht wird. Warum passt das zu uns? Weil wir in unserem Podcast immer wieder zeigen, was hinter den unterschiedlichen Rollen steckt. Wir setzen uns mitunter auch kritisch mit den Möglichkeiten zur Veränderung in unserer Gesellschaft auseinander. Unser Coaching findet nicht im luftleeren Raum statt. Manche Herausforderungen sind individuell, andere sind strukturell. Manche brauchen beides: innere Klarheit und äußere Unterstützung. Mit unserer Podcasthon-Folge verbinden wir genau das: Eine fiktive Coaching-Situation – und einen sehr realen Bezug zu einer Organisation, die sich für Bildung und Perspektiven einsetzt. Nicht unbedingt laut oder mit erhobenem moralischen Zeigefinger.Sondern konsequent.
Denn wenn wir schon Geschichten erzählen, dann dürfen sie auch Wirkung haben.

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Dieser Artikel ist im Rahmen der Blogdekade im Februar 2026 entstanden. Dies ist der 3. Artikel der jetzigen Blogdekade.