Blogdekade Februar 2026,  Persönliches

Mein Motto für 2026: I go with my own Flow

Ich setze zum Jahresanfang schon lange keine klassischen Vorsätze mehr. Nicht, weil ich keine Ideen hätte oder mir Ziele egal wären. Sondern weil Vorsätze mir oft das Gefühl geben, mich optimieren zu müssen. Davon hatte ich 2025 genug. Außerdem: Dieses Jahr war der Quitters Day, also der Tag, an dem die meisten Menschen ihre neuen Vorsätze für 2026 über Bord geworfen haben, bereits am 17. Januar. Was soll ich also mit Vorsätzen, die an ein Startdatum gebunden sind und die ein schnelles Verfallsdatum haben? Was für mich funktioniert, ist ein Motto. Nicht im Sinne eines Planes oder Zieles. Eher ein innerer Satz, der mich durchs Jahr begleitet. Einer, der mich erinnert, wenn ich mich wieder zu sehr nach außen orientiere und ich drohe, meinen Fokus zu verlieren.

2025 hieß dieser Satz: Leben ohne Beige.
2026 lautet er: I go with my own flow. Und eigentlich könnte ich noch ergänzen: Not yours!

Rückblick: Leben ohne Beige

Leben ohne Beige“ war ein klares Statement. Gegen das Unauffällige, das Angepasste, gegen das „Man macht das halt so“. Dieses Motto hat mir geholfen, Farbe zu bekennen in verschiedenen Lebensbereichen:
In meiner Arbeit, in meiner Sprache, in meinen Entscheidungen und natürlich auch im persönlichen Bereich. Und ja – das war gut. Aber es war auch anstrengend.

Denn sichtbar zu sein, Haltung zu zeigen, nicht weichgespült zu schreiben oder zu arbeiten, kostet Energie. Vor allem in Systemen, die Neutralität mit Professionalität verwechseln. Ich habe 2025 viel Klarheit gewonnen. Gleichzeitig habe ich gemerkt: Klarheit allein reicht nicht, wenn sie nicht im eigenen Rhythmus gelebt wird.

2026 fühlt sich anders an

2026 fühlt sich für mich nicht nach „mehr“ an, nicht nach größer, lauter, schneller oder mutiger. Sondern nach stimmiger, leiser und dennoch kompromissloser.

Ich habe keine Lust mehr, im Takt zu funktionieren, auch nicht im gut gemeinten, selbst gebauten. Denn selbstgewählter Druck bleibt Druck. Wo das hinführt, das habe ich 2025 schmerzlich erfahren dürfen. 2026 geht es für mich nicht darum, noch mehr zu zeigen, noch mehr zu halten oder noch mehr auszuhalten.
Es geht darum, früher wahrzunehmen. Und dann auch entsprechend zu handeln. Nicht erst, wenn der Körper streikt oder die Erschöpfung laut wird. Sondern dann, wenn ich wahrnehme, dass etwas kippt. Meist geht das leise vonstatten. Umso früher will und muss ich bei mir bleiben. Ich habe keine Lust mehr auf „Ich könnte doch noch…“ . 2025 war mein Körper zwar laut und oft schneller als mein Kopf, aber ich habe immer wieder versucht, ihn zu überreden, weiter zu machen, statt ihm zuzuhören. Schön wäre es, wenn ich sagen könnte: „Damit ist jetzt alles vorbei“. Das wird so nicht sein. Aber ich merke, dass sich dennoch bereits jetzt etwas verschoben hat. 2026 geht es mir nicht darum, was möglich ist, sondern darum, was passt. Nicht später, sondern jetzt.

„My own flow“ ist keine Wohlfühlnummer

„I go with my own flow“ ist kein Rückzug. Und ganz sicher keine Ausrede. Vielmehr ist es unbequem. Denn es bedeutet, Dinge zu lassen, die man gut kann. Es bedeutet aber auch, Erwartungen zu enttäuschen – auch die eigenen. Mein Flow fragt mich nicht, ob ich das schaffe, sondern ob ich mich dabei verliere. Manchmal ist die ehrlichste Antwort: „Ja. Gerade machst du das.“

Wahrnehmen statt Dauerfunktionieren

Ich habe im letzten Jahr wieder einmal lernen dürfen, wie schnell man sich selbst überhört. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Gewohnheit. Gerade wir Menschen in sozialen und pädagogischen Berufen sind darin wahre Weltmeister:innen. Wir funktionieren auch dann noch, wenn es eigentlich schon nicht mehr geht. Wir springen ein, machen einfach weiter, halten aus, was eigentlich schon lange nicht mehr aushaltbar ist. Bis irgendwann nichts mehr geht.

Mein Motto 2026 ist eine bewusste Gegenbewegung dazu. Nicht noch eine Methode. Nicht noch ein Tool.
Sondern erst einmal: den eigenen Flow wahrnehmen. Was passiert gerade wirklich – in mir? Wo ziehe ich mich innerlich zurück? Wo gehe ich über meine Grenze, ohne es mir einzugestehen? Ich bin überzeugt: Wer sich selbst ständig überhört, braucht irgendwann sehr laute und gewichtige Symptome, um gezwungenermaßen zur Ruhe zu kommen.

Wahrnehmen ist kein „nice to have“. Es ist unbequem, aber ich mute es mir zu. Und genau deshalb ist es der Kern meiner Arbeit – und meines Mottos. Deswegen werde ich 2026 Dinge lassen, die ich zwar gut kann, die mir aber nicht guttun. Und ja – das mag sich manchmal falsch anfühlen, aber falsch fühlt sich für mich inzwischen vertrauter an als dieses ständige „Ich halte das schon noch aus“.

Warum das politischer ist, als es klingt

Ein eigener Flow ist nicht nur persönlich. Er ist politisch. Wie ich das meine? Viele Systeme – besonders das System Schule – funktionieren nur, wenn Menschen sich anpassen. Wenn sie funktionieren und wenn sie ihre Grenzen verschieben. Erschöpfung wird dabei oft normalisiert oder sogar bagatellisiert. Wer von uns kennt das nicht, dieses: „Du musst nur besser für dich sorgen.“ „Du brauchst mehr Resilienz.“ „Mach doch mal eine Pause.“ „Andere können das doch auch aushalten“. Aber was, wenn das Problem nicht fehlende Methoden sind – sondern ein dauerhafter Bruch zwischen innerem Rhythmus und äußerem Takt? Sich selbst ernst zu nehmen ist kein Ego-Trip. Es ist Widerstand gegen ein System, das Verschleiß einkalkuliert.

2026: Kein perfektes Jahr – aber ein stimmiges

2026 wird kein leichtes Jahr. Ich kenne mich mittlerweile doch ganz gut. Ich werde wieder zu viel übernehmen. Ich werde wieder denken: „Das geht schon noch.“ Ich werde wieder versuchen, stark zu sein, wo ich eigentlich müde bin. Und vielleicht werde ich auch wieder zu spät merken, dass es reicht.

Aber ich möchte nicht mehr so tun, als wüsste ich es nicht besser. Ich möchte mich nicht mehr überraschen lassen von meiner eigenen Erschöpfung. Ich habe gelernt, wie fein meine Wahrnehmung inzwischen ist und wie leicht ich sie trotzdem immer wieder übergehe. Vielleicht ist gerade deshalb mein Motto kein Triumphsatz, sondern eine Erinnerung. Eine leise, geflüsterte, nur für mich: Ich gehe 2026 mit meinem eigenen Flow. Nicht, weil ich immer mutig bin oder glaube, alles im Griff zu haben. Sondern weil ich nicht mehr bereit bin, mich selbst zu verlieren, nur damit es für andere leichter ist.

Und ehrlich gesagt: Das macht mir manchmal Angst. Aber es fühlt sich richtiger an als alles andere.

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Dieser Artikel ist im Rahmen der Blogdekade im Februar 2026 entstanden. Dies ist der 4. Artikel der jetzigen Blogdekade.

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