Blogdekade 2025,  Stressmanagement

Reisen – Warum mein Hobby mehr ist als nur Urlaub

Und was das alles mit Stressmanagement und Persönlichkeitsbildung zu tun hat.

Ein Moment, der alles sagt

Es ist früh am Morgen, irgendwo in Skandinavien oder im Baltikum. Ich sitze vor meinem Wohnwagen, eingewickelt in eine Decke. Der See vor mir liegt spiegelglatt, nur ein paar Nebelschwaden ziehen über die Wasseroberfläche. Grillen zirpen noch müde, Vögel beginnen ihr Konzert. Ich halte eine dampfende Tasse Kaffee in der Hand und spüre: Genau hier, in diesem Moment, bin ich ganz bei mir.

Kein klingelndes Handy, keine To-do-Liste, kein Druck. Nur Stille, Natur und das Gefühl, dass die Welt größer ist als all die Sorgen, die im Alltag oft so übermächtig wirken.

Solche Augenblicke sind es, die mein Herz fürs Reisen schlagen lassen. Und genau deshalb ist dieses Hobby für mich so viel mehr als ein Tapetenwechsel. Herunterfahren, den Kopf frei bekommen, einfach abhängen.

Wie alles begann

Wenn ich zurückblicke, hat mich das Reisen schon immer fasziniert. Als Kind waren es zunächst die Familienurlaube – überschaubar, nicht spektakulär, aber immer mit kleinen Abenteuern verbunden. Ob mit Zelt oder einer kleinen Unterkunft: Ich erinnere mich noch daran, wie aufregend es war, mit einer Landkarte in der Hand neue Orte zu entdecken, Fossilien im Altmühltal zu klopfen oder in Österreich auf Wanderwegen die ersten Gipfelgefühle und Schnee im Juni zu erleben.

Damals habe ich noch nicht geahnt, dass dieses Kribbeln im Bauch – das Gefühl, unterwegs zu sein, Neues zu entdecken und gleichzeitig ein Stück weit bei mir selbst anzukommen – mich ein Leben lang begleiten würde.

Dazu kamen Brieffreunde, die ich mir suchte. Überall in der Welt verstreut. Mit denen ich mich austauschen und die meinen Horizont erweiterten. Es blieb immer ein “ Wer weiß,  vielleicht kann ich eines Tages dort hin reisen”. Noch heute schreibe ich mit meinem Brieffreund aus Indien. In Österreich  und Berlin sind zwei Frauen, die ich seit meinem 14. Lebensjahr aus Briefen kenne und auch schon besucht habe.

Warum Reisen für mich mehr ist als Tapetenwechsel

Für viele ist Reisen vor allem Erholung vom Alltag. Natürlich gehört das auch für mich dazu. Aber für mich bedeutet Reisen noch viel mehr: Es ist ein Perspektivwechsel.

Jede Reise ist wie ein kleiner Kurs in Gelassenheit. Manchmal läuft nichts so, wie man es geplant hat: es gibt Stau, der geplante Stellplatz ist voll, die Flüge ausgebucht oder das Wetter spielt verrückt. Und trotzdem findet man Wege, das Beste daraus zu machen. Genau das ist für mich ein Spiegel des Lebens: Pläne schmieden, losgehen, flexibel bleiben und am Ende doch mit Geschichten heimkehren, die man vorher nicht hätte erfinden können.

Reisen und Selbstfürsorge

Vielleicht hängt meine Liebe zum Reisen auch mit meiner Arbeit zusammen. Als Coach für Stressmanagement sehe ich täglich, wie wichtig es ist, aus dem Hamsterrad auszusteigen.

Das Reisen schenkt mir genau diese Pause: Ich verlasse meine gewohnten Strukturen, meinen vollen Kalender und meine To-do-Listen. Stattdessen lasse ich mich auf das Unbekannte ein – und das erdet mich.

Manchmal ist es eine Wanderung durch den Wald Skandinaviens, bei der ich die Ruhe und Stille einsauge. Manchmal ein quirliger Stadtbummel durch eine fremde Metropole, wo ich mich treiben lasse. Manchmsl auch einfach ein Strandtag mit viel Sonne. All das gibt mir Energie – aber auf ganz unterschiedliche Art.

Was mir besonders wichtig ist

Reisen bedeutet für mich auch: Kultur erleben, Menschen begegnen, Geschichten hören. Ich liebe es, durch Märkte zu schlendern, landestypisches Essen zu probieren, mich in einer fremden Sprache durchzuschlagen oder aber andere Lebensweisen kennenzulernen.

Es geht mir nicht darum, Sehenswürdigkeiten von einer Liste abzuhaken. Für mich sind es die kleinen Momente, die zählen:

das Gespräch mit jemanden, der uns behilflich ist, wenn mal ein Reifen geflickt werden muss, der Sonnenuntergang in seinen Farben, das Gefühl, irgendwo in der Ferne einen Platz zu finden, der sich ganz plötzlich doch ein wenig nach Zuhause anfühlt.

Reisen als Schatztruhe für mein Leben

Jede Reise bringt mir etwas mit, das ich in meinen Alltag zurücktrage. Manchmal ist es ein neuer Geschmack, manchmal ein Gedanke, der mich lange begleitet, manchmal einfach nur die Erkenntnis: Die Welt ist größer, als die Sorgen, die ich gerade habe.

Und genau das ist es, was mir am Reisen so wichtig ist: Es erweitert meinen Horizont, macht mich dankbar und erinnert mich daran, dass mein Leben viele Möglichkeiten bietet.

Jede Reise wird zu einem Stück von mir selbst. Von überall nehme ich etwas mit und vervollständigen meine Persönlichkeit immer mehr.

Mein Blick nach vorn

Natürlich habe ich noch viele Ziele auf meiner Bucket List. Besonders freue ich mich auf Kambodscha noch in diesem Jahr –  ein Land, das mich schon lange fasziniert. Der Besuch von Angkor Wat wird für mich ein Höhepunkt sein, weil ich dort eine Verbindung zu anderen Reisen spüre: zu den Tempeln auf Java, die mich so beeindruckt haben, und zu meiner Begeisterung für Kulturen, die Geschichte nicht nur bewahren, sondern lebendig machen.

Doch am Ende weiß ich: Egal ob nah oder fern, ob im Baltikum oder im Nachbardorf – das Reisen beginnt immer mit der Bereitschaft, sich einzulassen. Und diese Haltung möchte ich mir bewahren.

Fazit

Reisen ist für mich mehr als ein Hobby. Es ist eine Lebenseinstellung und lebenslanges Lernen. Es ist meine Art, die Welt zu entdecken, mich selbst zu nähren und die Schönheit des Lebens neu zu sehen. Es schenkt mir Geschichten, Perspektiven und Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.

Und vielleicht ist genau das die größte Bedeutung: Reisen zeigt mir immer wieder, dass das Leben nicht nur aus Arbeit, Verpflichtungen und Stress besteht – sondern aus Momenten, die mich berühren und prägen.

Dieser Artikel ist in der Blogdekade im August 2025 entstanden und ist Artikel Nummer 1.

3 Kommentare

  • Daniela Brandl

    Liebe Anette, was für ein wunderbarer und inspirierender Blogbeitrag. Ich weiß so gut, was du meinst, wenn du von lebenslangem Lernen schreibst. Ich bin in den letzten Jahren viel zu wenig gereist und hab in diesem Sommer so richtig gemerkt, was mir gefehlt hat. Unsere erste Reise dieses Jahr im Juni mit dem Van nach Korsika war ein Erlebnis. Völlig raus aus der Komfortzone und eine Herausforderung jagte die nächste. Von: wie spanne ich das Abspannseil der Sonnensegel? bis zu: wie geht die 40 Grad heiße Luft am besten aus dem Aufstelldach , damit an Schlaf überhaupt zu denken ist? Auch festzustellen, wie wenig Gepäck reicht, um einen tollen Urlaub zu erleben, war wirklich augenöffnend. Ich wünsche dir noch ganz viele wunderbare Reisen. Viele liebe Grüße, Daniela

  • Monika Adamczyk

    Liebe Anette, sich auf das Unbekannte einzulassen.

    Das spricht gerade sehr an. Denn ich war 8 Tage alleine mit meinem Kombi als Wohnmobil in Frankreich – Normandie und Bretagne – unterwegs.

    Unbekanntes Land für mich.
    Unbekannte Art des Urlaubs.
    Unbekannte Sprache.

    Während der Reise-Zeit war ich viel damit beschäftigt, wo geht es als nächstes hin, wo kann ich schlafen, wo kann ich mittags Schatten haben, wohin zieht es mich gerade.

    Und zu Hause angekommen, merke ich eine tiefe Ruhe in mir.

    Liebe Grüße
    Monika

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