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Madeira – die Insel, die wir überhaupt nicht auf dem Schirm hatten

Es gibt Reiseziele, auf die freut man sich schon Monate vorher. Man liest Reiseführer, sieht sich Bilder an, plant Ausflüge und weiß ziemlich genau, was einen erwartet. Und dann gibt es Reiseziele, bei denen man mehr oder weniger zufällig landet.

Madeira war für uns ein solches Reiseziel.

Als ich den Aufruf zur Blogparade „Welches Reiseziel hat dich positiv überrascht?“ von Anita Obrist entdeckte, kamen mir zunächst gleich mehrere Länder in den Sinn. Costa Rica hat mich mit seiner Artenvielfalt und seiner überwältigenden Natur beeindruckt. Kambodscha hat mich durch seine Kultur, seine Tempelanlagen und seine bewegende Geschichte überrascht. Finnland ist mir mit seinen unzähligen Seen, seiner Ruhe, den Rentieren, den eher wortkargen Menschen und dieser weiten, kraftvollen Landschaft in Erinnerung geblieben.

Aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Am meisten überrascht hat mich Madeira. Vielleicht gerade deshalb, weil wir von dieser Insel vorher kaum eine Vorstellung hatten.

Hauptsache warm und nicht zu weit weg

Wir suchten damals nach Weihnachten ein Reiseziel für den Januar. Es sollte etwas wärmer sein als bei uns, Abwechslung bieten und möglichst nicht so weit entfernt liegen, dass wir erst einen halben Tag im Flugzeug verbringen mussten. Madeira hatten wir beide überhaupt nicht auf dem Schirm. Aber irgendwo tauchte plötzlich ein Angebot auf. Wir sahen uns kurz an, was man dort machen konnte, stellten fest, dass es im Januar vergleichsweise mild war und dass man auf der Insel wandern konnte. Mit etwas Glück, so dachten wir, könnten wir vielleicht sogar noch ins Meer gehen. Mehr wussten wir eigentlich nicht.

Wir hatten keine lange Liste mit Orten, die wir unbedingt sehen wollten, keine ausgefeilte Route und auch keine großen Erwartungen. Wir buchten einfach und dachten: Schauen wir mal, was Madeira zu bieten hat. Heute würde ich sagen: Genau das war vielleicht unser Glück.

Eine Insel, die uns landschaftlich völlig überrollte

Schon während unserer ersten Ausflüge wurde uns klar, dass Madeira viel mehr war als eine warme Insel zum Überwintern.

Die Natur hat uns regelrecht überrollt. Hinter jeder Kurve schien sich die Landschaft wieder zu verändern. Wir sahen Wasserfälle, schroffe Felsen und steile Küsten, an denen der Atlantik mit voller Wucht auf das Land traf. Wir fuhren durch Landschaften, die eben noch grün und sonnig gewesen waren, und standen wenig später mitten im Nebel.

Besonders beeindruckt haben mich die alten Lorbeerwälder. Zwischen knorrigen Bäumen, Farnen und herabhängenden Pflanzen entstand eine beinahe mystische Atmosphäre. Manche Stellen wirkten, als würden sie nicht zu einer Ferieninsel, sondern in eine längst vergangene Zeit gehören. Diese riesigen Bäume zu sehen, sie zu berühren war etwas völlig Neues.

Auch die Nebelwälder fand ich fantastisch. Die feuchte Luft, die moosbewachsenen Äste und das diffuse Licht sorgten dafür, dass wir automatisch langsamer wurden und genauer hinsahen. Da flogen wir manchmal bis nach Asien, um Nebelwald zu sehen und hier gab es ihn quasi um die Ecke.

Madeira war keine Landschaft, die man einfach nur betrachtete. Man war mittendrin.

Wandern entlang der Levadas

Ganz typisch für Madeira sind außerdem die Levadas, jene schmalen Wasserkanäle, die sich über die Insel ziehen. Sie wurden angelegt, um das Wasser aus den regenreichen Bergen und dem feuchteren Norden in die trockeneren Gebiete, zu den Dörfern und vor allem zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen zu bringen.

Heute verlaufen an vielen dieser Kanäle Wanderwege. Man läuft direkt neben dem Wasser entlang, manchmal durch dichten Wald, vorbei an steilen Hängen, durch Tunnel oder an Wasserfällen entlang. Für uns war das eine ganz besondere Art, die Insel zu entdecken, weil wir dabei nicht nur mitten durch diese fantastische Natur wanderten, sondern gleichzeitig einem jahrhundertealten Versorgungssystem folgten.

Mich hat beeindruckt, mit welchem Aufwand diese schmalen Kanäle in das unwegsame Gelände gebaut worden waren. Auf einer Insel mit derart steilen Bergen das Wasser genau dorthin zu leiten, wo es gebraucht wurde, war eine enorme Leistung. Die Levadas sind deshalb weit mehr als schöne Wanderwege. Sie erzählen auch davon, wie sich die Menschen auf Madeira die Landschaft erschlossen und sie für sich nutzbar gemacht haben, ohne dass diese ihren ursprünglichen Zauber verloren hat.

Hier ein paar Impressionen von unserer Wanderung an den Levadas entlang:

Wasserfälle, Naturpools und steile Abgründe

Überall gab es etwas zu entdecken. Wasser lief an Felsen herunter, fiel auf die befahrene Straße als Wasserfall, schmale Straßen schlängelten sich an Berghängen entlang, und immer wieder öffnete sich der Blick auf das Meer.

Besonders faszinierend fand ich die natürlichen Meeresschwimmbecken. Zwischen schwarzem Lavagestein entstanden geschützte Pools, die vom Atlantik mit Wasser gefüllt wurden. Auch wenn das Meer im Januar nicht unbedingt Badewannentemperatur hatte, war allein der Anblick beeindruckend.

Dann gab es diese Seilbahnen, die steil an den Hängen hinunterfuhren. Schon beim Zuschauen wurde mir ein wenig anders. Madeira scheint ohnehin an vielen Stellen nicht einfach nur bergab zu gehen, sondern beinahe senkrecht.

Unser Glück, dass wir ein Auto hatten. So konnten wir uns treiben lassen. Wir fuhren einfach los, bogen irgendwo ab, hielten an Aussichtspunkten und entdeckten Orte, nach denen wir vorher gar nicht gesucht hatten.

Erst im Laufe des Urlaubs begannen wir, im Internet nachzusehen, was wir auf der Insel noch nicht entdeckt hatten. Schließlich wollten wir nicht nach Hause fliegen und später feststellen, dass wir ausgerechnet etwas Besonderes verpasst hatten.

Hier eine kleine Auswahl der imposanten Landschaft:

Madeira schmeckt anders

Nicht nur die Landschaft, auch das Essen hat mich überrascht.

Ich probierte dort zum ersten Mal eine Frucht, die mir als Frucht des Philodendrons / Monstera vorgestellt wurde. So etwas hatte ich noch nie gegessen. Und dann waren da die Bananen. Natürlich hatte ich auch vorher schon Bananen gegessen. Aber diese Bananen schmeckten anders: aromatischer, süßer und viel intensiver als die Früchte, die wir zu Hause normalerweise kaufen. Wahrscheinlich ist es wie bei Tomaten, die direkt am Urlaubsort plötzlich nach etwas schmecken, das man längst vergessen hatte.

Unser Hotel trug ebenfalls dazu bei, dass diese Reise besonders wurde. Normalerweise buchen wir nicht unbedingt diese Art von Hotel, doch dieses Mal passte es wunderbar. Es gab einen Wellnessbereich, in dem wir uns nach unseren Ausflügen erholen konnten, und ein fantastisches Essen. Auch ich als Veganerin wurde dort nicht mit einem traurigen Salatblatt abgespeist, sondern konnte das Essen wirklich genießen. Das ist schließlich auch eine Form von Wellness.

Im Januar gehörte die Insel fast uns

Wir waren im Januar auf Madeira, also nach Weihnachten und außerhalb der Hauptreisezeit. Der große touristische Rummel war vorbei, und wir erlebten viele Orte erstaunlich ruhig.

Natürlich waren wir nicht die einzigen Menschen auf der Insel. Trotzdem hatten wir nie das Gefühl, uns gemeinsam mit unzähligen anderen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu bewegen. Wir konnten anhalten, schauen, fotografieren und manchmal einfach nur dastehen.

Diese Ruhe hat Madeira für mich noch eindrucksvoller gemacht. Die Landschaft brauchte keine zusätzliche Inszenierung. Sie wirkte für sich.

Vielleicht war es manchmal etwas wolkiger, vielleicht war nicht jeder Tag ein klassischer Badetag, aber genau das passte zu dieser Insel. Sonne, Nebel, Wind und Wolken wechselten sich ab und veränderten ständig die Stimmung. Madeira zeigte sich nicht jeden Tag gleich, und vermutlich hätte strahlender Sonnenschein allein sogar einen Teil des Zaubers genommen.

Abendstimmung

Manchmal sind die ungeplanten Reisen die schönsten

Vielleicht hat mich Madeira deshalb so positiv überrascht, weil wir nichts Bestimmtes von der Insel erwartet hatten. Wir wollten eigentlich nur ein wenig Wärme, etwas Bewegung und einen Urlaub, für den wir nicht um die halbe Welt fliegen mussten. Gefunden haben wir eine Insel mit Wasserfällen, Wäldern, Bergen, Felsen, Levadas, Meer, exotischen Früchten und einer Natur, die an manchen Stellen fast unwirklich erschien.

Madeira war kein lange gehegter Reisewunsch. Es war eher eine spontane Entscheidung, ein aufploppendes Angebot und ein: Warum eigentlich nicht? Und manchmal entstehen genau so die Reisen, an die man sich besonders gerne erinnert.

Seitdem weiß ich, dass es sich lohnt, nicht immer nur dorthin zu reisen, wo man schon vorher genau weiß, was einen erwartet. Manchmal darf ein Reiseziel auch eine Überraschung sein. Madeira war für uns eine besonders schöne.

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