Gedanken aus dem Wohnwagen

#13: Gedanken aus dem Wohnwagen – Ruhe Forst

Nach längerer Internet Abstinenz heute wieder ein kleiner Artikel. Diesmal ein etwas anderes Thema: Umgang mit Trauer und Tod:

Neulich hatte der Göttergatte einen dienstlichen Termin (ja, auch im Urlaub geht sowas). Ganz in der Nähe war ein sogenannter „Ruhe Forst“. Das ist ein Stück Wald, in dem freie Beerdigungen stattfinden können und die Urne bei einem Baum, den Du dir vorher aussuchen  kannst,  anonym (oder eben nicht) begraben wird.

Als ich dort war, fand gerade eine Trauerfeier statt und der Bestattungswagen stand vor dem „Ruhe Forst“. Es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, als ich den Namen und den Slogan las. Das Unternehmen hieß “Die Himmelslotsen” und deren Slogan war: „Stell Dir vor, es ist Beerdigung und alle tragen bunt“.

Das machte mich neugierig und es erinnerte mich wieder mal daran, wie unterschiedlich der Umgang mit dem Tod ist. Auf meinen Reisen in verschiedene Länder habe ich schon viele Arten des Umgangs und der Bestattung gesehen: Von den riesigen Bestattungsfeiern bei den Torajas auf Sulawesi, Baumbestattungen von Kinderleichen, jährliches Herausholen der Leichen und wieder neu einkleiden, unterschiedliche Grabbeigaben (Zigaretten, Geld, was der Tote eben gerne mochte), die Friedhöfe in der Türkei, die zum Teil verwahrlost wirkten, bis hin zum Nordfriedhof in München, der eher als Park genutzt wird. Ich war da immer wieder mit meiner Freundin, die ihr Meerschweinchen dort „ausführte“. Oder die Kinder, die zwischen den Grabsteinen spielen. Alles ein für mich eher zwangloser Umgang als zum Beispiel der in meinem Heimatort. Ich kann nachvollziehen, dass das Grab ein Ort ist, um Zwiesprache zu halten, um an den Toten zu denken, Vergangenheitsbewältigung zu betreiben etc. Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin kein Gegner davon, Friedhöfe zu besuchen, im Gegenteil. Was mich jedoch stört ist der (inoffizielle) Zwang bzw. Ansicht, wie ein Grab auszusehen hat, wie es gepflegt werden muss, wie oft die Kerze ausgetauscht werden muss, wie schwarz die Erde darauf sein soll. Erinnere ich mich mehr an ihn / sie, wenn ich diesen Zwängen nachgebe? Wenn ich zu Allerheiligen kein tiptop gepflegtes Grab vorweisen kann und sich so manche:r das Maul zerreißen, was Du doch für eine schlechte Tochter / Sohn bist, weil Du nicht einmal das Grab richtig pflegst?

Dieser Umgang mit dem Tod und die nach außen getragenen Trauer stört mich sehr. Mein Plädoyer geht dahin, das alles etwas lockerer zu sehen. Niemand kann in mich hineinsehen, wie ich trauere, wie ich mich erinnere.  Denn das tue ich an mir nahestehenden Menschen unabhängig von Gräbern. Und da finde ich wiederum des eingangs erwähnten Bestattungsinstitutes klasse: „Stell Dir vor, es ist Beerdigung und alle tragen bunt.“ Ich glaube, das ist ein weiter Weg dorthin. Erst einmal habe ich in meinem Leben eine Beerdigung mit bunter Kleidung und Gospelgesängen erlebt und das hat die Trauer nicht geschmälert. Im Gegenteil!

Wie siehst Du das?

Ein Kommentar

  • iris

    Sehe ich genauso wie du und den Slogan finde ich auch richtig gut. Jeder soll es so handhaben wie sie es wollen. Und auch ich kenne das, dass sie die Menschen darüber unterhalten können, wie oft XY die Kerze angezündet hat und wie oft nciht. Danke für diesen Einblick.

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