Persönliches

Ich nehme mir meinen Raum zurück

Dieser Artikel ist mein Beitrag zu meiner eigenen Blogparade „Wofür ich mir (wieder) Raum nehme – und was dafür gehen darf“. Mich beschäftigt das Thema gerade selbst, und ich finde es spannend zu lesen, wie es anderen Mitblogger:innen damit ergeht. Den Aufruf findest du hier. Dort kannst du nachlesen, wie du teilnehmen kannst, und einige Leitfragen finden, die dich unter Umständen inspirieren können (aber nicht müssen). Aber nun geht es los.

Fehlt mir überhaupt etwas?

Manchmal merkt man erst, wie sehr einem etwas gefehlt hat, wenn man sich wieder damit beschäftigt. So ging es mir in den letzten Wochen zum Beispiel mit meiner Homepage. Eigentlich wollte ich nur den gesetzlich geforderten Widerrufsbutton einbauen. Das klingt zunächst nach einer überschaubaren Aufgabe. Wer schon einmal mit WordPress gearbeitet hat, weiß allerdings, dass aus einer kleinen Änderung schnell eine längere Beschäftigung werden kann. Dazu kam, dass ich nach einem Crash meiner Seite vor ca. 5 Jahren eine regelrechte Angst entwickelt habe, wenn ich etwas aktualisieren oder verändern muss. Mit dem Ergebnis, dass ich nur noch das Allernötigste gemacht habe. Meine WordPress-Version war demzufolge natürlich nicht die aktuellste. Aber nun war es soweit und ich musste mich dem stellen. Ich benötigte ungelogen ein paar Tage für diesen kleinen Button. Zwischendurch wollte ich schon das Handtuch werfen und das Ganze an eine Fachkraft übergeben. Mich hielt jedoch zurück, dass ich wissen wollte, was ich tun musste – auch um meine Angst dabei zu überwinden.

Also beschäftigte ich mich intensiver mit meiner Webseite, schaute Tutorials und nahm schließlich eine KI zu Hilfe. Ganz fertig bin ich damit noch nicht. Meine Homepage hat keine vollständige Renovierung bekommen, aber immerhin schon eine kleine Auffrischung. Sie läuft wieder schneller, einiges ist übersichtlicher, ich habe mich nach längerer Zeit wieder bewusst mit ihr auseinandergesetzt -und vor allem ist nun ein schöner und funktionierender Widerrufsbutton im Footerbereich.

Dabei habe ich gemerkt, dass mir nicht nur die Beschäftigung mit meiner Homepage gefehlt hat. Mir hat vor allem das Bloggen gefehlt.

Mein Kopf denkt besser, wenn ich tippe

Bloggen ist für mich mehr als ein Bestandteil meines Online-Business. Natürlich möchte ich über meine Arbeit schreiben, meine Erfahrungen teilen und mit meinen Artikeln Menschen erreichen. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum mir das Schreiben wichtig ist. Wenn ich blogge, sortiere ich meine Gedanken. Erlebnisse, die im Alltag vielleicht einfach an mir vorbeiziehen würden, bekommen beim Schreiben noch einmal eine andere Bedeutung. Ich schaue genauer hin, denke über Zusammenhänge nach und entdecke manchmal erst während des Schreibens, was eine Situation eigentlich mit mir gemacht hat. Aus einer Ballonfahrt wird dann nicht nur ein Ausflug, sondern auch eine Geschichte über Angst, Vertrauen und Loslassen. Aus der Steuererklärung wird eine Überlegung darüber, wie viel Energie uns das Aufschieben kostet. Und aus einem Widerrufsbutton entsteht plötzlich die Frage, wofür ich in meinem Leben eigentlich wieder mehr Raum brauche.

Das Bloggen bringt also einen roten Faden in mein Leben und benötigt dringend wieder mehr Platz darin. In der letzten Zeit habe ich mir fürs Bloggen allerdings immer weniger Zeit genommen. Meinen Jahresrückblick habe ich nicht geschafft, und mit meinen Monatsrückblicken bin ich regelmäßig hinterher. Es fehlt mir nicht an Themen und auch nicht grundsätzlich an der Lust zu schreiben. Ich habe nur häufig das Gefühl, dass etwas anderes gerade wichtiger sei. Es gibt immer etwas, das zuerst erledigt werden müsste. Irgendetwas ist dringender, vernünftiger oder notwendiger. Das Bloggen rutscht dann nach hinten, obwohl ich genau weiß, dass es mir guttut.

Und damit bin ich schon beim eigentlichen Thema dieses Artikels.

Das Thema dieser Blogparade kam nicht von ungefähr

Natürlich habe ich dieses Thema nicht zufällig gewählt. Ich musste mich in der letzten Zeit immer wieder damit auseinandersetzen, was in meinem Leben zu kurz gekommen ist, was zu viel Raum eingenommen hat und warum ich mich selbst dabei so häufig an die letzte Stelle gesetzt habe. Die Blogparade ist deshalb nicht nur eine Einladung an andere, darüber zu schreiben. Sie ist auch eine Aufgabe, die ich mir selbst gestellt habe.

Was möchte ich wieder mehr in mein Leben holen? Wofür möchte ich mir bewusst Zeit nehmen? Und wovon muss ich mich trennen, damit dieser Raum überhaupt entstehen kann? Gar nicht so bequem, diese Frage.

Ich selbst bin zu kurz gekommen

In der letzten Zeit ist nicht nur das Bloggen zu kurz gekommen. Ganz schlicht und einfach bin ich selbst zu kurz gekommen. Das klingt schon fast banal und sehr coachy, weil viele Menschen diesen Satz sagen. Man müsste wieder besser auf sich achten, mehr Pausen machen, sich nicht immer an die letzte Stelle setzen und die eigenen Grenzen früher wahrnehmen, blablabla.

Ich sage solche Sätze nicht nur, ich arbeite sogar damit. Ich begleite Menschen dabei, ihren Stress besser wahrzunehmen. Ich schreibe darüber, wie wichtig es ist, die Signale des Körpers ernst zu nehmen. Ich ermutige andere dazu, Grenzen zu setzen, Pausen zu machen und nicht erst zu reagieren, wenn gar nichts mehr geht. Aber gleichzeitig muss ich eingestehen, dass ich viele meiner eigenen Tipps selbst über einen längeren Zeitraum nicht oder nur unzureichend umgesetzt habe. Das ist keine besonders angenehme Erkenntnis. Es wäre natürlich schöner, wenn ich sagen könnte, dass ich als Coach immer rechtzeitig merke, wann es zu viel wird. Aber so ist es nicht. Wissen schützt nicht automatisch vor alten Mustern. Nur weil ich weiß, wie Stress funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass ich in jeder Situation gut mit ihm umgehe.

Vielleicht ist genau das ein Teil des Problems: Manchmal entsteht aus dem vielen Wissen über Stress, Erschöpfung und Selbstfürsorge unbewusst die Vorstellung, ich müsste es doch eigentlich besser können. Dann kommt zum körperlichen und mentalen Erschöpftsein auch noch die Frage hinzu, warum ich meine eigenen Ratschläge nicht einfach befolge. Aber so einfach ist es eben nicht.

Wir Menschen fallen auch dann in alte Muster zurück, wenn wir sie längst erkannt haben. Wir übergehen Grenzen, obwohl wir wissen, dass sie wichtig sind. Und wir halten durch, obwohl wir anderen längst geraten hätten, eine Pause zu machen. Mit meiner besten Freundin würde ich ganz anders sprechen als ich es mit mir selbst mache.

Ich bin davor nicht geschützt, nur weil ich Coach bin. Vielleicht muss ich sogar besonders aufpassen, nicht zu glauben, dass Wissen allein schon Veränderung bedeutet.

Mit 60 muss ich gar nichts mehr – theoretisch

Zu meinem 60. Geburtstag im Februar habe ich einen Artikel darüber geschrieben, was dieses Alter für mich bedeutet. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war, dass ich mit 60 nicht mehr alles machen muss. Ich muss mich nicht mehr verbiegen, um Erwartungen zu erfüllen. Ich kann mein Leben so gestalten, wie es zu mir passt. Meine Jahre nehmen mir nichts, sondern sie geben mir Haltung. Das meinte ich damals auch genau so. Trotzdem merke ich jetzt, dass zwischen einer Erkenntnis und ihrer Umsetzung ein erheblicher Abstand liegen kann.

Ich kann sagen, dass ich mit 60 gar nichts mehr muss, und mich trotzdem so verhalten, als müsste ich noch immer alles schaffen. Ich kann davon überzeugt sein, dass ich mein Leben so leben darf, wie ich möchte, und gleichzeitig alte Pflichten, Erwartungen und Glaubenssätze mit mir herumschleppen.

Offenbar erledigt sich ein Muster nicht automatisch mit einem runden Geburtstag. Es wäre schön, wenn man mit 60 die Kerzen auspusten und dabei gleich sämtliche alten Überzeugungen mit ausblasen könnte. Leider sind einige davon erstaunlich fest verankert und wollen nicht „ausgepustet” werden.

Die Aussage „Ich muss gar nichts mehr” bedeutet für mich deshalb nicht, dass es keine Verpflichtungen mehr gibt. Natürlich gibt es weiterhin Aufgaben, Termine und Menschen, für die ich Verantwortung trage. Aber ich möchte genauer unterscheiden, was wirklich notwendig ist und was ich nur tue, weil ich es seit Jahrzehnten so gewohnt bin.

Muss ich wirklich noch schnell diese eine Sache erledigen? Muss ich immer erreichbar sein? Muss ich mich rechtfertigen, wenn ich Ruhe brauche? Muss alles ordentlich und abgeschlossen sein, bevor ich mir etwas erlaube, das mir Freude macht? Wahrscheinlich lautet die Antwort viel häufiger Nein, als ich es mir bisher eingestanden habe. Vielleicht ist genau das die Aufgabe meines neuen Lebensjahrzehnts: nicht nur zu wissen, dass ich mein Leben nach meinen Vorstellungen gestalten darf, sondern es tatsächlich zu tun.

Mein Körper ist inzwischen deutlich geworden

Mein Körper hat sich nicht erst gestern gemeldet. Er hat vermutlich schon länger versucht, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Anfangs waren die Signale vielleicht noch leiser und ließen sich leichter ignorieren. Inzwischen jault mein Körper, weil ich ihn zu oft und zu lange übergangen habe.

Im Moment bin ich noch nicht so ganz auf der Höhe. Neben Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Erschöpfung zeigt mir mein Körper immer wieder neue Symptome, die mir klarmachen, dass mein bisheriger Umgang mit mir selbst nicht funktioniert hat. Ich könnte jetzt schreiben, dass mein Körper mich ausgebremst hat. Das stimmt zum Teil. Noch ehrlicher wäre allerdings: Ich habe so lange nicht ausreichend reagiert, bis mein Körper gar keine andere Möglichkeit mehr hatte, als deutlicher zu werden.

Das ist bitter, weil ich diese Mechanismen kenne. Ich kenne die Warnzeichen. Ich weiß, dass der Körper normalerweise nicht aus heiterem Himmel streikt. Ich weiß, dass Erschöpfung nicht erst dann beginnt, wenn man morgens nicht mehr aufstehen kann. Und trotzdem habe ich vieles zu lange beiseitegeschoben.

Vielleicht dachte ich, es ginge noch. Vielleicht dachte ich, andere Dinge seien im Moment wichtiger. Vielleicht wollte ich auch einfach nicht wahrhaben, dass ich schon wieder an einem Punkt angekommen war, an dem ich mich selbst nicht ausreichend ernst genommen hatte. Vielleicht dachte ich gar nichts und habe einfach weitergemacht, weil ich – so meine Denke – weitermachen musste.

Der Abstand zwischen Wissen und Leben

Das ist vermutlich eine der unangenehmsten Lektionen: Man kann etwas verstanden haben und trotzdem nicht danach leben. Ich kann anderen erklären, warum Pausen wichtig sind, und selbst zu lange weitermachen. Ich kann über Körperwahrnehmung schreiben und gleichzeitig meine eigenen Beschwerden relativieren. Ich kann Menschen ermutigen, ihre Bedürfnisse nicht ständig hintenanzustellen, und mich selbst wieder genau dort einsortieren.

Das macht meine Arbeit nicht unglaubwürdig. Im Gegenteil: Es erinnert mich daran, dass Veränderung kein Zustand ist, den man irgendwann erreicht und dann für immer behält. Man ist nicht eines Tages fertig mit Selbstfürsorge und hat auch nicht irgendwann endgültig gelernt, Grenzen zu setzen. Obwohl ich das wohl so ein klein wenig gehofft hatte. Alte Verhaltensweisen können wieder auftauchen, besonders wenn Belastungen länger anhalten oder man glaubt, noch ein wenig durchhalten zu können. Auch ein Burnout macht nicht immun gegen einen weiteren.

Ich möchte meine eigene Situation deshalb nicht schönreden. Ich möchte mich dafür aber auch nicht verurteilen. Beides würde mir nicht helfen. Hilfreicher ist die Frage, was ich daraus mache.

Ich darf wieder wichtiger werden

Vielleicht ist das der zentrale Satz für mich: Ich darf wieder wichtiger werden. Nicht wichtiger als alle anderen, aber wichtig genug, um in meinen eigenen Entscheidungen vorzukommen.

In der Vergangenheit habe ich mich häufig erst dann berücksichtigt, wenn alles andere erledigt war. Wenn die Arbeit getan, die Erwartungen erfüllt, die Probleme anderer Menschen geklärt und sämtliche offenen Punkte abgearbeitet waren, hätte theoretisch noch Zeit für mich sein können. Praktisch war dann entweder keine Zeit oder keine Energie mehr übrig. Denn Arbeit ist selten vollständig erledigt. Es gibt immer noch etwas zu tun, nachzubereiten, aufzuräumen, zu beantworten oder zu verbessern.

Wenn ich darauf warte, dass wirklich alles fertig ist, bevor ich etwas für mich tue, werde ich sehr lange warten.

Deshalb möchte ich lernen, mich nicht erst am Ende des Tages zu fragen, ob für mich noch etwas übrig geblieben ist. Ich möchte mich früher mit einbeziehen. Das klingt jetzt einfacher, als es ist. Alte Muster verschwinden nicht nur deshalb, weil man einen Blogartikel darüber schreibt. Aber vielleicht ist dieser Artikel ein Anfang – und eine öffentliche Erinnerung an mich selbst.

Mein Körper braucht mehr als ein Notfallprogramm

Ich möchte meinem Körper wieder mehr Raum geben – und zwar nicht nur dann, wenn er mit Schmerzen, Erschöpfung oder anderen Beschwerden reagiert. Ich möchte wieder früher wahrnehmen, wie es mir geht. Bin ich müde oder versuche ich nur, mich noch irgendwie durch den Tag zu bringen? Brauche ich Bewegung oder Ruhe? Habe ich Hunger auf etwas Bestimmtes oder esse ich nur schnell irgendetwas, damit das Thema erledigt ist? Tut mir ein Termin gut oder gehe ich hin, weil ich glaube, dass ich es muss? Solche Fragen sind nicht spektakulär. Trotzdem können sie entscheidend sein.

Selbstfürsorge besteht nicht nur aus Wellness, einem freien Wochenende oder einer einzelnen Pause (wobei das hilfreich sein kann). Sie zeigt sich auch darin, ob ich mich im Alltag überhaupt wahrnehme. Mein Körper soll nicht länger nur dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn er nicht mehr funktioniert.

Ich möchte wieder mehr Genuss in mein Leben bringen

Ein Bereich, den ich verändern möchte, ist das Essen. Ich möchte wieder abwechslungsreicher kochen und nicht nur etwas zubereiten, das schnell geht und satt macht. Ich möchte neue Gerichte ausprobieren, andere Gewürze verwenden und wieder Freude daran haben, etwas vorzubereiten. In stressigen Phasen wird Essen bei mir schnell zur reinen Versorgung. Hauptsache, es ist etwas da. Hauptsache, es geht schnell und ich kann danach weitermachen.

Ich wünsche mir wieder mehr Genuss.

Das muss kein aufwendiges Menü sein. Es geht mir eher darum, nicht jede Mahlzeit wie einen weiteren Punkt auf meiner Aufgabenliste zu behandeln. Ich möchte mir wieder überlegen, worauf ich Appetit habe, und mir Zeit nehmen, das Essen auch wahrzunehmen. Gerade weil mein Körper lange so wenig Beachtung bekommen hat, möchte ich ihn nicht nur irgendwie versorgen, sondern wieder freundlicher mit ihm umgehen.

Weniger Pflicht, mehr Klarheit

Mein Online-Business darf ebenfalls wieder einen größeren Raum in meinem Leben einnehmen. Dabei geht es mir nicht darum, möglichst schnell möglichst viel zu produzieren. Ich möchte nicht einfach nur neue Aufgaben auf meine Liste setzen und damit den nächsten Stress erzeugen. Ich möchte wieder mehr von dem tun, was mir daran Freude macht.

Dazu gehört das Bloggen. Dazu gehört es auch, mir Zeit zu nehmen, Ideen zu entwickeln, Texte zu schreiben und mich mit Themen zu beschäftigen, die mich wirklich interessieren. Ich möchte genauer prüfen, welche Aufgaben zu mir passen und welche ich nur erledige, weil man sie als Selbstständige angeblich tun sollte. Okay, um die Steuer werde ich wohl nicht herumkommen!

In den letzten Jahren habe ich immer wieder erlebt, wie schnell ein Business zu einer Ansammlung von To-dos werden kann. Man sollte regelmäßig posten, Newsletter schreiben, Videos drehen, Angebote erstellen, sichtbar sein, verkaufen, optimieren und natürlich auch noch die Technik beherrschen. Schon beim Lesen dieser Aufzählung merke ich, wie müde ich werde.

Mein Business soll sich deshalb nicht nur nach Pflichten richten. Es soll wieder stärker mit dem verbunden sein, was ich gern tue und was ich zu sagen habe. Vielleicht braucht es nicht mehr Tempo, sondern mehr Klarheit.

Manchmal darf ein Buch einfach ein Buch sein

Lesen und Lernen sind in letzter Zeit ebenfalls zu kurz gekommen. Ich möchte mich wieder mit Themen beschäftigen, weil sie mich interessieren, und nicht immer schon im Hinterkopf überlegen, wofür ich das Gelernte nutzen könnte. Ich kenne das nur zu gut: Ich lese ein Buch und denke gleichzeitig darüber nach, ob daraus ein Blogartikel, ein Newsletter oder eine Coachingübung entstehen könnte. Ich mache Notizen, klebe Zettel hinein und behandle selbst meine Freizeitbeschäftigung wie eine Fortbildung. Dabei darf ein Buch auch einfach ein Buch sein. Ich möchte wieder lesen, weil ich neugierig bin oder weil mir eine Geschichte gefällt. Ich möchte etwas lernen, ohne am Ende ein Zertifikat zu brauchen oder daraus ein neues Angebot zu entwickeln.

Nicht alles, was Freude macht, muss nützlich sein.

Diesen Satz finde ich wichtig, weil ich Nutzen und Leistung lange sehr stark miteinander verbunden habe.

Was wurde eigentlich aus dem Klöppeln?

Ich denke auch darüber nach, frühere Hobbys wieder aufzugreifen. Ich habe einmal geklöppelt, (klassische) Gitarre gespielt, gemalt, gestrickt, genäht … Das ist irgendwann in den Hintergrund gerückt. Nicht unbedingt, weil es mir keinen Spaß mehr gemacht hat, sondern weil anderes wichtiger wurde und ich mir immer weniger Zeit dafür genommen habe. Ich weiß noch nicht, ob ich wirklich wieder regelmäßig klöppeln oder Gitarre spielen werde. Vielleicht probiere ich es aus und stelle fest, dass es heute gar nicht mehr zu mir passt. Auch das wäre in Ordnung.

Mir geht es mehr darum, mir wieder zu erlauben, etwas nur aus Interesse zu tun. Ich muss darin nicht gut sein, keine Fortschritte dokumentieren und daraus auch kein neues Projekt machen. Es reicht, wenn ich Freude daran habe.

Auch Treffen mit Freunden dürfen wieder mehr Raum bekommen. Nicht irgendwann, wenn alles andere erledigt ist, sondern als fester Bestandteil meines Lebens. Beziehungen halten sich nicht allein dadurch, dass man grundsätzlich weiß, wie wichtig sie sind. Sie brauchen Zeit, Verabredungen, Gespräche und gemeinsame Erlebnisse.

Mein Arbeitszimmer darf wieder Luft bekommen

Auch mein äußerer Raum zeigt ziemlich deutlich, dass sich einiges angesammelt hat. In meinem Arbeitszimmer liegen Unterlagen, Bücher, Hefte, Bescheide und Materialien, die ich zum Teil seit Jahren nicht mehr angeschaut habe. Viele Dinge habe ich aufgehoben, weil ich sie vielleicht irgendwann noch brauchen könnte. Dieses Irgendwann ist allerdings oft nie gekommen. Ich möchte deshalb aussortieren – beziehungsweise ich bin schon dabei. Dass es dann erst mal schlimmer aussieht als vorher, ist normal und muss ich wohl aushalten. Alte Unterlagen dürfen gehen, wenn ich sie ohnehin nicht mehr durcharbeiten werde. Bücher, die ich nicht mehr lesen möchte, können weitergegeben werden. Hefte, veraltete Materialien und Bescheide, die ich nicht mehr aufheben muss, brauchen keinen Platz mehr in meinem Raum.

Dabei geht es mir nicht darum, alles in kürzester Zeit leerzuräumen. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass selbst das Aussortieren schnell wieder zu einem Großprojekt werden könnte. Ich möchte Schritt für Schritt prüfen, was ich wirklich noch brauche und was nur deshalb geblieben ist, weil ich bisher keine Entscheidung getroffen habe.

Mein Arbeitszimmer soll wieder ein Ort werden, an dem ich mich gerne aufhalte. Ich möchte dort schreiben, lesen, lernen und arbeiten können, ohne ständig das Gefühl zu haben, von alten Unterlagen und unerledigten Projekten umgeben zu sein. Vielleicht brauche ich nicht nur innerlich, sondern auch ganz praktisch wieder mehr Luft zum Atmen.

Was dafür gehen darf

Damit mehr Raum entsteht, darf einiges gehen.

Da sind zunächst all die Dinge, die ich nicht mehr brauche und über die ich bereits geschrieben habe. Noch wichtiger sind allerdings die alten Sätze, die mich seit vielen Jahren begleiten.

Zum Beispiel: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Dieser Satz klingt zunächst vernünftig. Das Problem ist nur, dass die Arbeit nie wirklich endet. Wenn ich mir Vergnügen, Erholung oder Hobbys erst dann erlaube, wenn alles erledigt ist, verschiebe ich sie auf einen Zeitpunkt, der wahrscheinlich nie kommt. Auch der Gedanke darf gehen, dass ich zuerst aufräumen muss, bevor ich mich mit etwas beschäftigen darf, das mir Freude macht. Natürlich fällt es mir leichter zu arbeiten, wenn mein Raum einigermaßen ordentlich ist. Aber ich muss nicht mein gesamtes Leben sortiert haben, bevor ich einen Blogartikel schreibe oder ein Buch lese. Ich möchte nicht länger alles Angenehme als Belohnung behandeln, die ich mir zuerst verdienen muss.

Gehen darf auch die Überzeugung, dass ich immer für alle anderen da sein muss. Ich darf helfen, begleiten und Verantwortung übernehmen. Aber ich muss mich dabei nicht selbst verlieren. Und auch dieses ständige Powern und Durchhecheln möchte ich hinter mir lassen. Allein dieses Wort beschreibt schon, wie wenig Raum dabei zum Atmen bleibt. Ich möchte nicht mehr nur funktionieren und hoffen, dass irgendwann eine ruhigere Phase beginnt. Denn wenn ich ehrlich bin, wird das Leben vermutlich nicht eines Tages an meiner Tür klingeln und mir mitteilen, dass jetzt endlich alles erledigt ist und ich beginnen darf, es zu genießen.

Raum entsteht nicht von selbst

Natürlich bekomme ich nicht plötzlich mehr Stunden am Tag. Auch nach dem Aussortieren wird mein Kalender nicht automatisch leerer sein.

Mehr Raum entsteht nur, wenn ich Entscheidungen treffe.

Ich werde manche Dinge später erledigen müssen. Bei anderen werde ich entscheiden, dass sie gar nicht mehr wichtig sind. Vielleicht muss ich häufiger Nein sagen oder akzeptieren, dass etwas nicht perfekt wird. Vor allem muss ich aufhören, alles, was mir guttut, als weniger wichtig zu behandeln. Das Bloggen ist für mich nicht nur eine nette Beschäftigung für freie Stunden, sondern hilft mir, meine Gedanken zu sortieren. Kochen und Genießen sind nicht überflüssig, nur weil sie Zeit brauchen. Lesen, Lernen, Hobbys und Begegnungen gehören zu einem Leben, das sich für mich lebendig anfühlt.

Und meine Gesundheit darf nicht erst dann wichtig werden, wenn ich nicht mehr kann.

Diese Fragen gelten nicht nur für mich

Während ich diesen Artikel schreibe, denke ich, dass ich mit diesem Thema vermutlich nicht allein bin. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben etwas, das immer wieder nach hinten rutscht, obwohl es dir eigentlich guttut. Vielleicht würdest du gerne wieder malen, singen, tanzen, schreiben, reisen, im Garten arbeiten oder öfter mit Menschen zusammen sein, die dir wichtig sind. Vielleicht braucht dein Körper mehr Aufmerksamkeit oder du selbst einfach mehr Zeit, in der niemand etwas von dir möchte.

Und vielleicht gibt es gleichzeitig Dinge, die sehr viel Raum einnehmen, ohne dir wirklich etwas zu geben. Das können Gegenstände sein, Aufgaben, Termine oder Erwartungen. Es können aber auch alte Sätze sein, an die du dich so sehr gewöhnt hast, dass du sie kaum noch bemerkst. So etwas wie „Ich muss erst noch …” oder „Dafür habe ich gerade keine Zeit.” Ganz toll ist auch „Die anderen brauchen mich.” oder „Das kann ich später machen.” Kennst du? Ich sehr gut.

Vielleicht ist es an der Zeit, einen dieser Sätze zu hinterfragen. Du musst nicht erst aus dem Verkehr gezogen werden, bevor du kürzertrittst. Du musst auch nicht warten, bis dein Körper so laut wird, dass du ihn nicht mehr überhören kannst. Manchmal beginnt Veränderung damit, sich eine einfache Frage ehrlich zu beantworten:

Wofür möchte ich in meinem Leben wieder mehr Raum haben?

Und direkt danach: Was darf dafür gehen?

Ich möchte nicht wieder auf das nächste Stoppschild warten

Ich weiß nicht, ob mir das alles sofort gelingt. Wahrscheinlich werde ich mich auch in Zukunft dabei ertappen, wie ich meine eigenen Bedürfnisse wieder verschiebe. Alte Glaubenssätze sind hartnäckig, und mein Muster, zuerst alles andere erledigen zu wollen, ist nicht erst gestern entstanden. Aber ich möchte es früher bemerken. Ich möchte nicht wieder so lange warten, bis mein Körper keine andere Möglichkeit mehr hat, als mich aus dem Verkehr zu ziehen.

Zum zweiten möchte ich meine eigenen Ratschläge ernster nehmen. Nicht, weil ich als Coach perfekt sein müsste, sondern weil auch für mich gilt, was ich anderen immer wieder sage: Der Körper sendet nicht grundlos Signale, Pausen sind keine Schwäche, und Selbstfürsorge sollte nicht erst beginnen, wenn gar nichts mehr geht. Sie ist notwendig und kein „nice to have”.

Vielleicht macht mich gerade diese Erfahrung auch demütiger in meiner Arbeit. Ich weiß, wie leicht man Warnsignale übersehen oder herunterspielen kann. Ich weiß, dass Wissen allein nicht davor schützt. Und ich weiß, dass es manchmal mehrere Anläufe braucht, bis man wirklich bereit ist, etwas zu verändern.

Ich nehme mir wieder Raum für mich

Ich weiß noch nicht genau, wie mein Leben in den nächsten Monaten aussehen wird. Aussortieren jeglicher Art und die entsprechenden Entscheidungen treffen wird wohl Zeit in Anspruch nehmen und nicht bereits übermorgen erledigt sein.

Ich weiß nicht, welche alten Hobbys wieder einen Platz darin finden, wie häufig ich bloggen werde oder wie schnell mein Arbeitszimmer luftiger wird. Ich möchte daraus auch keinen neuen Plan machen, den ich anschließend wieder möglichst effizient abarbeite. Es geht mir nicht darum, mein Leben noch besser zu organisieren, sondern darum, mich selbst darin wieder ernster zu nehmen.

Ich möchte häufiger schreiben, weil es mir hilft, meine Gedanken zu ordnen. Ich möchte besser auf meinen Körper hören, abwechslungsreicher kochen, mehr lesen, lernen und Zeit mit Menschen verbringen, die mir wichtig sind. Gleichzeitig möchte ich mich von Dingen, Aufgaben und Überzeugungen trennen, die längst mehr Raum einnehmen, als sie verdienen.

Vor allem darf der Gedanke gehen, dass ich mich erst um mich selbst kümmern darf, wenn für alle anderen gesorgt und alles erledigt ist. Denn ich möchte in meinem eigenen Leben nicht nur diejenige sein, die funktioniert, organisiert und Verantwortung übernimmt.

Ich möchte darin auch wieder selbst vorkommen.

Und wofür nimmst du dir wieder Raum?

Vielleicht möchtest du die Frage nicht nur im Kopf beantworten, sondern deine Gedanken aufschreiben. Oft wird beim Schreiben klarer, was man tatsächlich vermisst und wovon man sich längst trennen möchte.

Genau dazu lade ich dich mit meiner Blogparade ein:

Wofür nimmst du dir wieder Raum – und was darf dafür gehen?

Schreib einen eigenen Blogartikel über deine Gedanken, Erfahrungen und Entscheidungen und verlinke ihn unter meinem Aufruf zur Blogparade. Dort findest du auch alle weiteren Informationen zur Teilnahme.

Ich freue mich darauf zu lesen, was in deinem Leben wieder mehr Raum bekommen darf.


Falls es dir nicht egal ist, mit wem du zusammenarbeitest, um deinen Stress zu hinterfragen und wieder zu dir zu finden, falls du eine Partnerin an deiner Seite haben möchtest, die weiß, wovon sie redet und dich abholen kann, dann lass dich doch auf meine Warteliste setzen. Mein neues Programm steht in den Startlöchern und wird voraussichtlich ab Mitte September starten (vorher werde ich noch einmal Kraft und Energie schöpfen). Schreibe mir über das Kontaktformular eine Mail mit dem Betreff „Warteliste”. Wenn du magst, kannst du mir noch etwas mehr zu dir und deinen Herausforderungen schreiben. Du erhältst dann als eine der ersten die Information, wann das Programm startet und was es beinhaltet.

Solltest du vorher schon etwas von mir lesen wollen, dann trage dich doch in meinen Newsletter – die Freitags – Denkpause – ein:

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