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Bauchgefühle – und was Mr. Spock damit zu tun hat

Welches Thema nehme ich heute? Ich hatte mir vorgenommen, aus dem Bauch heraus zu entscheiden, was mich gerade so anspricht. Und da war es auch schon – Bauchgefühl. 

Warum beschäftigt mich dieses Thema?

Seit über 15 Jahren bin ich in einem Team, das gemeinsam Selbstbehauptungskurse für Mädchen anbietet. Das Thema ist somit sexuelle Gewalt und der Umgang bzw. die Vermeidung von solchen Situationen. Dabei übernehme ich den psychologischen / pädagogischen Teil. Uns geht es unter anderem darum den Mädchen zu zeigen, dass sie alles, was sie benötigen, in sich tragen. Von uns bekommen sie noch eine Art Handwerksköfferchen , woraus sie sich im Bedarfsfalle bedienen können und sich in brenzligen Situationen behaupten können. Wir kommen im Laufe des Kurses mit Hilfe von Rollenspielen immer zu dem Punkt, an dem die Mädchen verwirrt sind, weil der Kopf etwas anderes sagt, als der Bauch. Der Bauch sagt zum Beispiel: “Irgendwas stimmt hier nicht, das fühlt sich komisch an.” Der Kopf sagt jedoch: ”Das kannst du doch nicht machen, jemanden einfach so zurückweisen, laut werden oder sogar sich einfach körperlich zu wehren. Was werden die anderen / Eltern etc. sagen. Keiner liebt mich dann” usw. Ich ermutige die Mädchen immer wieder, mehr auf ihr Bauchgefühl zu hören und merke, dass in der Erziehung oft einiges schief läuft und ihnen das Bauchgefühl mit Sprüchen wie ”Das bildest Du dir nur ein” oder “Jetzt sei doch nicht so empfindlich” regelrecht abtrainiert oder zumindest klein gehalten wird.

Was ist nun also dieses Bauchgefühl?

Jeden Tag treffen wir Tausende von Entscheidungen. Sei es, ob Du heute das grüne oder blaue Oberteil anziehst, ob Du Nudeln oder Kartoffeln zum Essen magst, ob Du zu Fuß läufst oder doch das Auto nimmst. Das sind eher die einfachen Entscheidungen. Aber natürlich musst Du mitunter auch schwerwiegendere Entscheidungen treffen: welchen Job Du antrittst, ob du eine Beziehung beendest oder nicht und dergleichen mehr.

Viele denken, sie müssen erst mal alles gut überlegen, Vor- und Nachteile aufschreiben, Informationen sammeln und  eher nüchtern und rational an die Sache rangehen. Das hat sicherlich auch seine Berechtigung. Unser Verstand kann u.a. unheimlich gut ordnen, für die Zukunft planen (anstelle immer wiederkehrender spontanen Entscheidungen), kann Dinge rational beleuchten, Pro und Contra aufstellen. Das mag für eine Entscheidung auch gut sein.

Das Bauchgefühl hingegen wird häufig belächelt, hat es doch das Wort”Gefühl” mit drin. Es ist jedoch eine Art “Erfahrungsgedächtnis”, das einmal gemachte Erfahrungen sofort verarbeitet, abspeichert und mit neuen vergleicht und dann blitzschnell entscheidet. 

Was sagt die Psychologie?

Aus der Psychologie wissen wir, dass wir in unserem Gehirn u.a. zwei relevante Bereiche haben, die wir bei Entscheidungen benötigen:

Das limbische System und den Neocortex.

Der Neocortex ist der Teil des Gehirns, der zum einen entwicklungsbiologisch gesehen  am jüngsten entwickelt ist, er ist aber auch am ausgeprägtesten. Er arbeitet bewusst, langsam und logisch. Wenn wir also wie bereits erwähnt unsere Liste mit Vor- und Nachteilen aufstellen, dann geschieht das mit diesem Teil des Gehirns. Mr. Spock aus der Serie “Raumschiff Enterprise” ist hier voll und ganz in seinem Element. Pure Logik und Verstand prägen seine Entscheidungen, Gefühle sind ihm fremd.

Das limbische System hingegen reguliert unser Affekt – und Triebverhalten. Die Amygdala (Der sogenannte Mandelkern im limbischen System) ist für die Bewertung von Erinnerungen mit Emotionen zuständig. Es ist immer und ständig aktiv (im Gegensatz zum Neocortex). Fluchtreflexe sind hier z.B. zu Hause. Du merkst schon, dass die Entscheidungen, die hier getroffen werden, schnell und unbewusst erfolgen (müssen). Wenn ich einem Auto ausweichen muss, dann kann ich nicht erst die Pro und Contras abwägen..

Wie soll ich nun aber eine Entscheidung treffen?

pixabay

Soll ich auf mein Bauchgefühl hören? Oder doch lieber den Verstand dominieren lassen?

Das Bauchgefühl entscheidet auf der Grundlage der bereits gemachten Erfahrungen und vergleicht sie. Es handelt im Prinzip aufgrund einer Hypothese, die richtig oder falsch sein kann. Würde ich ausschließlich auf mein Bauchgefühl hören, dann würde ich nie mehr zum Zahnarzt gehen, oder aber mich am Morgen entscheiden, doch lieber im Bett zu bleiben statt zur Arbeit zu gehen. Und nur weil mich z.B.  im Kindergarten ein rothaariger Junge immer wieder geärgert hat, muss ich nicht rothaarige Menschen generell meiden – obwohl sich mein Bauchgefühl meldet.

Genauso kann mein Verstand sich in den vielen Pro und Contras und der Informationsflut, die auf mich einstürmt, wenn ich Antworten auf ein Problem suche, verzetteln und eine Entscheidung treffen, die absolut falsch sein kann. Eine Entscheidung ohne die Gefühle zu berücksichtigen oder zu unterdrücken birgt die Gefahr, willkürlich zu werden.

Wie so häufig im Leben geht es bei Entscheidungen nicht um ein Entweder – Oder. Vielmehr solltest Du eine gesunde Mischung finden zwischen Kopf und Bauch. Eingangs habe ich die Mädchen im Selbstbehauptungskurs erwähnt, die oft ihrem Bauchgefühl nicht trauen, weil sie häufig die Erfahrungen gemacht haben, dass es darauf angeblich nicht ankommt, das Bauchgefühl unwichtig sei oder sie eben übertreiben würden. Gerade in solchen Situationen, auf die ein Selbstbehauptungskurs hin trainiert, ist aber z.B. das Bauchgefühl extrem wichtig. 

Häufig ist es so, dass zwar ein Bauchgefühl vorhanden ist, dieses aber mehrfach oder dauerhaft unterdrückt oder verneint wird, obwohl das Bauchgefühl gerade Tango tanzt. Das führt zu Stress und langfristig zu stressbedingten Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlafstörungen etc. 

Ich empfehle Dir, gut zu schauen, welche Entscheidung Du treffen musst. Ist sie komplex? Was ist gerade das Thema?

Brauchst Du mehr Kopf als Bauch? Oder bist Du gerade dabei, Dich zu verzetteln und brauchst mehr Bauch als Kopf? Sicher solltest Du aber nie das eine oder andere vernachlässigen (sofern es keine schnelle Entscheidung sein muss wie z.B. beim Auto, dem ich ausweichen muss) und Dir dessen bewusst sein, dass beide an Deiner Entscheidung in unterschiedlichen Anteilen beteiligt sind. 

Mr. Spock würde an dieser Stelle rein den Verstand und die Logik empfehlen. Maja Storch, Tiefenpsychologin, die sehr gerne das Bauchgefühl mit einem Strudelwurm vergleicht, empfiehlt z.B. zwei Drittel Bauch, ein Drittel Kopf.

Wie hältst Du es mit Deinem Bauchgefühl? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Bücher zum Nach-und Weiterlesen:

Maja Storch: “Machen Sie doch, was Sie wollen! Wie ein Strudelwurm den Weg zu Zufriedenheit und Freiheit zeigt”

Maja Storch: “Das Geheimnis kluger Entscheidungen. Von Bauchgefühl und Körpersignalen”

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