Persönliches,  Gesundheit

Händständ your business (oder: Kopfüber kriegst Du den Kopf frei)

Ausgangssituation

vierwöchiger Trainingsplan erstellt von Judith Peters

Da bin ich jetzt also gelandet: bei der Händständgäng von Judith Sympatexter Peters. Eigentlich wollte ich mich gar nicht anmelden. Einen Handstand in 4 Wochen nach einem ausgeklügelten Plan hinzukriegen erschien mir für mich mehr als ambitioniert. Dazu musst du wissen, dass ich Lipödem Patientin bin. Seit Jahren schon nimmt mir diese Krankheit immer mehr von meiner Lebensqualität und macht mich immer unbeweglicher. Trotzdem versuche ich, soweit das geht, sportlich am Ball zu bleiben, weil ich ansonsten das Gefühl habe, dann geht gar nichts mehr. So komme ich schon neben 2 Lymphdrainagen in der Woche mit Rehasport, Aquafitness und ein paar Runden Nordic Walking auf ca. 3 Mal Sport in der Woche. Manchmal etwas langsamer, manchmal etwas schneller. 

#Händständgäng

workout im Urlaub

Nun also ein Handstand? Wie gesagt, eigentlich wollte ich mich gar nicht anmelden, habe dann aber die vielen Posts unmittelbar nach dem Start der Gruppe gesehen, die so viel Lust darauf machten und so habe ich Judith gefragt, ob sie mich trotz verspäteter Anmeldung und einem erhöhten BMI aufnimmt. Hat sie schließlich auch getan. Und so startete ich mit dem Training etwas verspätet und im Urlaub. Das war am Anfang kein Problem bis auf den Wandläufer. Den an der Wohnwagenwand machen? Ich rutschte immer wieder ab. Also stellte ich ihn erstmal zurück und hoffte, beim nächsten workout einen Baum zu finden. Und ich war mächtig stolz auf mich, konsequent dabei zu bleiben und zu üben.

Dann gab es erstmals einen Dämpfer: Unsere weiteren Stellplätze waren auf kiesigem Untergrund. Nur mit Handtuch trainieren, noch dazu den Purzelbaum, war da keine so gute Idee. Aber ich dachte, wir sind ja bald zu Hause, da habe ich einen Teppich, Kissen und dergleichen mehr.

Mindfuck

Zuhause angekommen merkte ich auf einmal, das ich totale Angst vor dem Purzelbaum hatte. Meine Beweglichkeit ist doch sehr eingeschränkt, ich muss Kompressionsstrumpfhosen tragen und kann bestimmte Bewegungen nur unter Mühen und Schmerzen machen. Im Alltag habe ich auch immer wieder Angst, mich an den Beinen zu verletzen und dann garnicht mehr laufen zu können und jetzt sollte ich einen Purzelbaum machen? What the fuck? Wie konnte ich mich nur dafür anmelden? Mein Kopf war total blockiert. Aber ich wollte trotzdem nicht aufgeben. Da kämpfe ich tagtäglich gegen das Lipödem und dann knockt mich so ein Purzelbäumchen aus???

Das konnte und wollte ich so nicht akzeptieren. Also überlegte ich, was ich tun könnte. Zuerst hörte ich mir die Videos von Judith zum Thema “Mindfuck” an, visualisierte den Purzelbaum und holte mir das Gefühl aus Kindheitstagen zurück, als das noch problemlos ging.

Also legte ich mir drei (!!) Kissen auf den Boden und setzte an – um gleich wieder aufzuhören. So ein Schei…. Mein Kopf spielte so richtig verrückt und sagte mir dauernd, dass ich das nicht machen solle, ich könne mich verletzen, und warum das überhaupt, davon würde es mir auch nicht besser gehen, warum jetzt ausgerechnet mit 54 so ein Quatsch und so weiter.

Purzel it, Baby!

Der Göttergatte merkte, dass ich total unglücklich damit war und setzte sich zu mir. Und probierte auch einen Purzelbaum. Bei ihm klappte es zunächst nicht und wir lagen dann doch lachend auf dem Boden. Wir vertagten das Ganze auf den nächsten Tag: wieder drei Kissen hingelegt, gleiches Spiel nochmal und ich brach erneut ab, obwohl ich von der Haltung her schon deutlich weiter gekommen war. Beim Göttergatten klappte es diesmal. Ich vertagte nochmals. 

Tag 3 des Purzelbaumversuches begann wieder mit den drei Kissen und völlig unbeobachtet. Und was soll ich sagen? Ich purzelte… Zwar schief, aber egal. Ein unbeschreibliches Gefühl, mein erster Purzelbaum seit mindestens 30 Jahren?? Der Göttergatte wurde von meinem Freudenschrei herbeigerufen. Und da ich das Purzeln verfestigen wollte – machte ich einen zweiten und den dritten filmte der Göttergatte. Das war aber genug für heute.

Mein eleganter Purzelbaum

Was habe ich daraus gelernt?

  • ich mache das workout in meinem Tempo und wenn ich nach 4 Wochen den Händständ nicht hinkriege, dann vielleicht in 6 oder 10 oder….
  • Dranbleiben lohnt sich.
  • die Dynamik der Gruppe nutzen. Auch wenn einige schon deutlich weiter sind, egal. Wir bauen uns gegenseitig auf.
  • Zweifel dürfen am Anfang sein, solange ich mir das trotzdem zutraue und ausprobiere (anstatt von Anfang an überhaupt nichts zu machen)
  • Selbstvertrauen und Geduld sind zwei gute Partner, um Herausforderungen zu begegnen
  • Raus aus der Komfortzone, die für mich immer mehr zu einer “Komm-fort-Zone”wird
  • Grenzen erkennen, daran kratzen und im besten Falle besiegen. Wenn nicht, akzeptieren und eventuell Neues probieren
  • mein mindfuck reseten und auf einen anderen Level bringen
  • Spaß haben
  • ….

Kopfüber stehen ist für mich allerdings noch nicht so greifbar, aber nicht unmöglich. Darauf arbeite ich jetzt hin, egal, wie lange das dauert. Danke, Judith, dass Du mir diesen input gegeben hast! Und Danke an die Händständgäng!

Danke an Gerd Altmann auf Pixabay

P.S. Dieser Artikel gehört zur Blogparade von Judith Peters, die am Ende der Händständzeit entstanden ist. Dort findest Du noch weitere Artikel zur Händständgäng.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.