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Mein Weg zum Coach für Stressmanagement

Michaela Schächner hat im letzten Jahr in ihrer BlogparadeEinfach machen – Selbstständig machen. Und dann kam alles anders” nach meinem Weg in die Selbstständigkeit gefragt. Damals habe ich das Thema nur halbherzig bearbeitet, weil: so richtig selbstständig war ich ja nicht. Und bin es auch jetzt noch nicht. Denn: ich bin nebenberuflich als Coach aktiv und nutze aktuell mein Sabbatjahr, meine Coachingtätigkeit voran zu bringen. Daher beteilige ich mich nun an der Blogparade und beschreibe mit diesem Artikel meinen Weg zum Coach für Stressmanagement

oder: was ich vor 10 Jahren schon gerne gewusst hätte

Von meiner Ausbildung bzw. von meinem Studium her bin ich Sozialpädagogin / Sozialarbeiterin. Mir hat die Arbeit alleine nie gereicht, deswegen habe ich meinen Kopf immer beschäftigen müssen: mit zusätzlichen Fortbildungen, Ausbildungen, Zweitstudium. Der Weg zum Coach für Stressmanagement war lang und geprägt von vielerlei Erfahrungen. Aber lies selbst, wie ich dazu gekommen bin:

Ausgangssituation

Eigenes Foto: Mallorca

Schon immer habe ich Herausforderungen im Beruf gesucht: Praktikum im Jugendknast? Kein Problem. Ein Jahr in der Bewährungshilfe? Her damit, wobei: beim verurteilten Vergewaltiger, der  nahe an meinem Wohnort lebte und die Umstände seiner Tat bewogen mich, besser die Finger von diesem einen Fall zu lassen. Arbeit mit Jugendlichen? Wollte ich nie, nahm aber die Herausforderung in einer Wohngruppe für Mädchen an. Gut, dass ich nicht wusste, was da auf mich zukam. Von neun (aus den verschiedensten Gründen) stationär untergebrachten Mädchen hatten acht eine oder mehrere Missbrauchssituationen hinter sich, bei dem neunten Mädchen lag der Verdacht nahe. Von da an schrieb ich mir Mädchenarbeit auf die Fahne und wurde zur Expertin für Missbrauchsfälle. Ein Umzug des Göttergatten brachte mir eine neue Herausforderung: Sozialarbeit an einer (Brennpunkt-) Schule. Schon wieder die Arbeit mit Jugendlichen, die ich eigentlich gar nicht machen wollte, den Aufbau von Schulsozialarbeit, die bis dahin noch nicht existent war und das Auseinandersetzen mit allen möglichen Abgründen, die ich mir nur zum Teil vorstellen konnte. „Nebenbei“ habe ich versucht, mein Jurastudium zu beenden. Ebenfalls “nebenbei” startete ich mit meiner Tätigkeit als Trainerin für den psychologischen Teil in Selbstbehauptungskursen (was ich übrigens bis vor Corona sehr gerne gemacht habe).

Relativ schnell aber habe ich die Arbeit an Schule geliebt: es war „meine“ Schule, „meine“ Schüler:innen, ein von meiner Arbeitsweise geprägter Arbeitsplatz. Ich konnte mich in verschiedenen Bereichen „austoben“, nahm eine Herausforderung nach der anderen an. Kein Konflikt, den ich gescheut hätte, keine Schwierigkeit, die ich glaubte, nicht bewältigen zu können. Und doch, vor mittlerweile über 10 Jahren waren die Herausforderungen auf einmal zu viel. Obwohl, so plötzlich kam es doch nicht.

Ein schleichender Prozess…

Foto: Matteo Vistocco on Unsplash

Die Arbeitsstelle des Göttergatten wurde aufgelöst, die Schule des Tochterkinds zickte herum, ich hatte über 300 Überstunden, die mein damaliger Schulleiter mich nicht wirklich abbauen lies. Das noch nicht beendete Jura Studium saß mir zudem noch im Nacken (eine Geschichte für sich) und die Vorladung vor das Jugendstrafgericht, wo ich gegen Schüler aussagen musste (und wo ich mir Schutz durch den Schulleiter gewünscht hätte) stand an. Dazu eine Erkältung nach der anderen, Migräneanfälle mehrmals im Monat, Magenbeschwerden und noch anderes diffuses „Zeugs“, das ich nicht einordnen konnte. Heute weiß ich, dass meine Alarmglocke schon längst hätten schrillen müssen, aber damals dachte ich, ich schaffe das alles und schließlich muss ja eine für die Familie und für meine in Schwierigkeit steckenden Schüler:innen da sein. Ich kann mich erinnern, dass irgendwann eine Schülerin, die mitbekam, dass ich mir eine Kopfschmerztablette einschmiss, meinte: „Das ist aber nicht so gesund, was Sie da machen“ (dafür liebe ich im Übrigen meine Schüler:innen, habe ich das schon gesagt?). Es kam, wie es kommen musste: Als ich die Vorladung für das Jugendgericht telefonisch im Beisein des Schulleiters erhielt und (gefühlt) so gar keine Rückendeckung hatte, bekam ich noch in der Schule einen Heulkrampf und konnte mich nicht mehr richtig bewegen. Mit einem Schlag fühlte es sich so an, als ob es keinen Boden mehr unter meinen Füssen gab. Ich wusste nur, ich will da raus. Eine weise Kollegin schickte mich auch sofort nach Hause. Ich weiß nicht mehr, was an dem und den darauf folgenden Tagen noch alles war. Das Ende vom Lied war jedoch, dass ich wegen eines chronischen Erschöpfungszustandes, wie Burnout bezeichnet wird, krankgeschrieben wurde.

Von Gefühlskaspereien und glücklichen Zufällen

Meine Gefühle in der Zeit? Ich hatte keine, ich war nur noch leer und dachte, ich könnte nie mehr in meinem Leben Freude empfinden. Gottseidank funktionierte mein Sozialpädagogengehirn, das mir sagte: „Du musst dir Hilfe holen, und zwar sofort“. Nur dumm, dass ich überwiegend ein halbes Jahr Wartezeit bei den Therapieplätzen einrechnen musste, wenn ich überhaupt telefonisch durchkam: war ich doch Kassenpatientin.

Und Coachingangebote in dem Bereich gab es nicht (oder ich habe es nicht gefunden). Ein glücklicher Zufall (wir wissen ja, die gibt es gar nicht) wollte, dass eine Patientin absprang und ich aufgrund einer Empfehlung fast sofort einen Platz bekam.

Was soll ich noch erzählen? Es hat bestimmt ein halbes Jahr Auseinandersetzung mit meinem Innersten und viele, viele Gespräche gedauert, bis ich mich entscheiden konnte, wieder an meine alte Stelle zurückzugehen, weil ich ja nach wie vor die Arbeit mit den Schüler:innen liebte. Gleichzeitig bedeutete es aber auch, mich dem Schulleiter zu stellen, mit ihm Vereinbarungen zu treffen und auf die Einhaltung derselben zu achten. Zunächst stieß ich auf Abwehr und Verständnislosigkeit, aber irgendwie klappte es doch.

Meine Familie unterstützte mich in der Zeit, wo es nur ging. Ich lernte, achtsam mit mir und meinem Körper umzugehen. In der Phase nahm ich mir auch die Zeit für einige längst überfällige Arztbesuche und erhielt leider auch  meine Diagnose eines Lipödems. Eine neue Herausforderung in meinem Leben, aber auch eine Erleichterung, endlich zu wissen, was an dieser Baustelle los war. Ich lernte Saunagänge zu genießen, meinen Kopf damit frei zu bekommen und die Gedankenkarusselle  zu stoppen. Viele verschiedene Techniken probierte ich aus und pickte mir letztendlich die raus, die zu mir passten. Seitdem merke ich viel schneller, wenn ich auf die Bremse treten muss. Das hätte ich gerne schon viel früher gelernt: mit meinem Stress anders umzugehen und mehr für mich zu sorgen.

Und schließlich, ganz zaghaft,  kam mein Humor und mein Optimismus wieder zurück.

Meine neue ergänzende Berufung

Nach einiger Zeit in der Arbeit merkte ich, dass ich andere Menschen unterstützen wollte, bereits früh genug ihre eigenen Warnzeichen zu erkennen, damit sie gar nicht erst soweit kommen mussten, wie es bei mir war. Ich wollte die Botschaft weitergeben , dass eine gesunde Stresskompetenz in meinen Augen die beste Prävention für einen Burnout überhaupt ist und dass sie erlern- und trainierbar ist.

Das Thema Ernährung und Bewegung war aufgrund meines Lipödems ebenso absolut notwendig. Ich begann mit der Ausbildung zur Gesundheitspädagogin und setzte mir den Schwerpunkt : Stressmanagement und Burnoutprävention sowie Ernährung. Was sonst?  Es mussten jedoch noch Monate ins Land gehen, bevor ich mich traute, mich mit dieser Arbeit sichtbar zu machen.

Screenshot vom letzten Kurs

Seit letztem Jahr, während Corona, entschloss ich mich, diesen Schritt zu gehen, meine Homepage und meine Angebote fertig zu stellen. Ich bin zwar nach wie vor Schulsozialarbeiterin, und das sehr gerne, gebe aber mittlerweile zusätzlich Online-Kurse zum Thema Stressmanagement. Da ich den bisher größten Teil meiner beruflichen Zeit in der Schule verbracht habe und die Nöte, die Ecken und Kanten, die Bedingungen etc. dort kenne, habe ich mich darauf spezialisiert: Stressmanagement für die Berufsgruppen, die an Schule arbeiten.  Und gerade in Zeiten von Corona merke ich ein immer größer werdendes Bedürfnis nach Coaching, also einer Begleitung in diesen schwierigen Monaten.

Um hier ein weiteres neues Angebot zu platzieren, findet am 8.06.2021 von 17 – 18:30 mein kostenloses Webinar „Richtig Stressen – Stressmanagement für Lehrer:innen“ statt.  Das Webinar richtet sich an alle Berufsgruppen in den unterschiedlichsten Schulformen. Nach dem Webinar weißt Du, was oder wer Deine Energieräuber sind, die Deinen Schulalltag erschweren, wie Du easy Minipausen einbauen kannst, wie Du Stress positiv für Dich nutzen kannst und viel mehr.

Du willst dabei sein? Dann melde Dich schnell an.

2 Kommentare

  • Lorena

    Liebe Anette,

    wow, was für ein bewegender und wunderbarer Artikel. Danke fürs Teilen. Lange Umwege bevor man sich selbst etwas Gutes tut – insbesondere beruflich – das kenne ich auch sehr gut. Bis ich darüber schreiben kann was auf meinem Weg alles passiert ist, wird es aber wohl noch etwas dauern. Hut ab für deinen Mut, deine Geschichte zu teilen, das macht Mut. Und wass mir auch sehr gefällt: deine Zielgruppe der Berufsgruppen in Schulen. Oftmals stelle ich fest, dass neben Pädagog*innen ja häufig auf alle anderen vergessen wird. Toller Artikel. Danke fürs Teilen.

    • Anette

      Liebe Lorena,
      Danke für Deinen Kommentar. Ja, das hat schon Zeit gedauert, bis ich darüber offen sprechen konnte und ich kann Dir nur Mut machen. Ich freue mich, ganz bald von Deinem Weg zu lesen:)

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