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Methoden,  Stressmanagement

Was ist Coaching? Und was Beratung?

In meinem Alltag merke ich, dass viele die Begriffe Coach und Berater durcheinander schmeißen. Daher soll dieser Artikel Licht ins Dunkle bringen.

Coaching

Was ist ein professioneller Coach und auf was solltest Du achten?

Wenn ich eine Begriffsklärung suche, dann finde ich im Duden folgendes: 

Ein Coach ist:

Bild: Jesse Orrico on Unsplash
  1. “jemand, der Sportler oder eine Sportmannschaft, auch Manager, Künstler u.a. trainiert, betreut
  2. jemand, der (anhand von wissenschaftlich begründeten Methoden) einen Klienten berät und betreut, um dessen berufliches Potenzial zu fördern und weiterzuentwickeln”

Aha! Coach im Sport ist ja klar. Keine ernstzunehmende Fußballmannschaft oder sonstiger Profisportler ohne mindestens einem Coach, das kennen wir alle. 

In der zweiten Definition wird jedoch “beraten und betreuen” hinzugefügt. Also was jetzt: Coachen? Beraten? Betreuen?

Schauen wir doch mal weiter:

Kommt “Coach” von “Kutsche”?

Bild: Katja auf Pixabay

Da bin ich doch noch darüber gestolpert, dass der Begriff  “Coach” aus dem Englischen übersetzt auch für “Kutsche” steht (und auch für Bus). Vor meinem geistigen Auge taucht direkt eine Metapher auf: ist ein Coach nicht auch jemand, der den Klienten von A nach B begleitet?

Um im Bild zu bleiben: Die Kutsche ist auch ein Mittel, das mich von einem Ort zum nächsten bringt. Ich setze mich rein und weiß sehr wahrscheinlich, wo ich hin will. Welchen Weg die Kutsche allerdings nimmt, weiß ich unter Umständen nicht. Ich weiß aber sicher, dass es mit Kutsche schneller geht als zu Fuß und alleine.

Und grundsätzlich verstehe ich die Aufgabe eines Coaches ähnlich: Ich kann mich darauf verlassen, dass, wenn ich mich auf einen Coach einlasse, er / sie mich Schritt für Schritt meinem Ziel näher bringt. Dabei ist es von Klient*in zu Klient*in allerdings unterschiedlich, ob diese Kutsche möglichst bequem sein soll, mit wie vielen Pferden sie gezogen wird und dadurch die Geschwindigkeit erhöht, oder, oder.

Diese Art “Coach” zu definieren gefällt mir sehr gut und kommt meinem Verständnis sehr nah.

Was macht ein Coach denn nun?

Ein Coach stößt Veränderungsprozesse an. Er / sie baut zu seinem Coachee eine gute Beziehung auf und führt als neutraler Dritter vertrauliche Gespräche, die den Coachee zur Weiterentwicklung (egal, ob berufliche oder persönliche Weiterentwicklung) sowie zur Reflexion anregt. Dabei hat ein Coach bestimmte Methoden und “Handwerkszeug”, mit dem der Coachee angeregt wird, neue Perspektiven einzunehmen und sich damit andere / weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Außerdem vertritt ein Coach bestimmte (ethische) Werte und Haltungen (wie z.B. Wertschätzung, Unvoreingenommenheit, Selbstreflexion, Kritikfähigkeit) und ist selbst, was Weiterbildung anbelangt, immer in Bewegung. Ein Coaching kann mit Einzelpersonen oder Gruppen / Teams stattfinden.

Beratung

Foto: Dean Moriarty auf Pixabay

Ein Berater ist jemand, dessen Beruf(ung) es ist, andere beim Lösen von Problemen mit Fachwissen zu unterstützen, wie z.B. ein Computerfachmann / frau.

Eine der wichtigsten Fähigkeit, die ein Berater benötigt, ist Zuhören. Denn wenn schon zu Beginn der Auftrag nicht klar ist, weil da jemand nicht richtig zugehört hat, ein Sachverhalt nicht berücksichtigt wird und ein Berater nur sein Wissen an den Mann / Frau bringen will, dann kann das eigentliche Problem des Kunden, weswegen ein Berater in Anspruch genommen werden soll, nicht wirklich gelöst werden.

Es ist logischerweise unerlässlich, dass ein Berater sein Wissen immer wieder erweitern oder erneuern muss. Eine ausgeprägte Lernfähigkeit ist dabei von Nutzen. Der Berater ist also ein Partner, der seinen Klienten handlungsfähig macht, indem er möglichst passgenaue Lösungen für den Kunden bereitstellt.

Wo sind nun also die Unterschiede bzw. die Gemeinsamkeiten?

  • Beim Coaching liegt der Fokus auf der jeweiligen Person (egal ob einzeln oder im Gruppencoaching), bei der Beratung auf einen Sachverhalt. Damit ist das Ziel auch klar: beim Coaching bekommst Du Hilfe zur Selbsthilfe, beim Beraten wird ein Problem mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Fachwissens gelöst.
  • Beim Coaching sind Coachee und Coach eher auf Augenhöhe, denn der Klient ist sein eigener Experte, der Coach begleitet durch den Prozess, eröffnet einen Perspektivwechsel und regt im besten Falle eine Verhaltensänderung an, während der Berater durch sein Fachwissen in diesem Bereich überlegen ist und somit Lösungsvorschläge macht.
  • Der Coach stößt mit (psychologischen) Methoden einen Reflexionsprozess an, der Berater hat in der Regel keine speziellen Methoden, sondern sein Fachwissen.
  • Der Klient kommt freiwillig zum Coach, während der Gang zur Beratung durch äußere Zwänge begleitet sein kann (z.B. der Gang zum Rechtanwalt wegen einer Scheidung o.ä.).
  • Im Coachingprozess ist die Beziehung zum Klienten von großer Bedeutung. So spielen auch die Emotionen des Klienten eine große Rolle. In der Beratung ist die Beziehung von Vorteil, aber nicht notwendig, da eher die Sachebene wichtig ist.
Bild: Gerd Altmann auf Pixabay

Eine Gemeinsamkeit beider Formen besteht darin, dass weder Coaching noch Beratung ein Ersatz für schwerwiegende psychische Probleme sind und eine entsprechende Psychotherapie nicht ersetzen.

Sowohl Coaching wie auch Beratung sollte in der Regel von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden.

Wann ist Coaching, wann Beratung sinnvoll?

Wie so oft kann das nicht immer so eindeutig gesagt werden und ist abhängig von der jeweiligen Situation:

Bild: Mathilda Khoo on Unsplash

Ein Coaching ist dann nützlich und sinnvoll, wenn es um soziale / emotionale Kompetenzen geht, wenn du bemerkst, dass irgendetwas nicht stimmt und verändert werden müsste, du aber nicht so genau weißt, wo es hingehen soll und vor allem wie. Aber auch, wenn Du dich persönlich weiterentwickeln möchtest, wenn Du merkst, dass Du mal deine Perspektive verändern müsstest, aber ständig nur herum eierst oder aber Du mal eine andere Methode als das, was Du schon kennst, ausprobieren möchtest.

Eine Beratung hingegen ist dann nützlich und sinnvoll, wenn Du eine konkrete Problemstellung hast und Du auf einen Expert*in zurückgreifen willst, der dir Lösungen oder konkrete Ratschläge präsentieren kann. Oder wenn Du deine eigene Lernschleife verkürzen willst, indem Du dich von einem Fachmann unterstützen lässt.

Ist das wirklich so?

Wie so oft im Leben ist die Unterscheidung in der Realität nicht immer klar und die Grenzen können verschwimmen. Manchmal wünschen sich Klienten im Coachingprozess auch inhaltlichen bzw. sachlichen Input und suchen sich von vornehinein einen Coach, der auch fachliche Kompetenzen in bestimmten Bereichen hat und beraten kann.

Darf ein Coach nun diese Grenze auch überschreiten und auch mal etwas raten? Es gibt zwei verschiedene Ansätze: keine Ratschläge geben, sondern konsequent weiter gute Fragen stellen, so dass der Klient seine Denk- und Verhaltensmuster selbst in Frage stellt und verändert vs. einer sorgfältigen Überlegung, ob ein sehr zurückhaltender Ratschlag manchmal doch sinnvoll ist. Und damit aus beiden Bereichen das Beste weitergeben – also eine “Coachberatung” oder so ähnlich. Da streiten sich die Geister.

Wie arbeite ich?

Durch meine Ausbildung als Sozialpädagogin (und langjährige Tätigkeit in dem Bereich) sowie den diversen Zusatzausbildungen bin ich in der Lage, beides zu bedienen, sowohl Coaching wie auch Beratung. Ich bevorzuge aber Coaching, denn eine intrinsisch begründete Veränderung ist in meinen Augen nachhaltiger. Ich persönlich finde es zudem sehr wichtig, ressourcenorientiert zu arbeiten. Das heißt, Du als Klient*in hast bereits alles, was Du zur Lösung und Erreichen Deines Zieles benötigst, in Dir. Ich begleite Dich darin, Deine Schätze zu finden und zu bergen, um damit Dein Ziel zu erreichen. Du bist der Experte für Dein Leben und weißt, was für Dich gut ist. Somit kann Coaching unter Umständen auch bedeuten, dass Dein alter Weg bestätigt wird. Es muss ja nicht immer Neues dabei heraus kommen. Ein Coach ist in meinem Verständnis jemand, der /die Dir dein Leben nicht aus der Hand nimmt, aber geeignete Fragen stellt, um Dir Anstöße zu liefern. Manchmal aber ist auch eine handfeste Beratung gefragt bzw. nötig. Dann mache ich aber im Gespräch den Unterschied und den Wechsel meiner Rolle klar.

Foto: Charles Deluvio on Unsplash

Fazit

Es gibt wahrscheinlich nie den besten Coach, aber es gibt den Coach, der / die am besten zu Dir passt. Daher solltest Du Dir über Deine Erwartungen an einen Coach und auch über die Ziele, die Du erreichen möchtest, klar sein. So wird auch deutlich, dass ein Coach für Dich in den unterschiedlichen Phasen verschiedene Positionen inne haben kann: Er / sie kann dich begleiten, den Startschuss mit dir initiieren, kann dir beratend zur Seite stehen, manchmal hört er / sie einfach nur zu, manchmal ist er /sie wie ein Sporttrainer zu Dir, gibt Dir Impulse und Tipps. Auf jeden Fall begleitet er / sie Dich ein Stück Deines Lebens, ohne es Dir abzunehmen. 

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