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Bist Du vegan- oder warum isst Du so komisch?

11 Gründe, auf gar keinen Fall vegan zu leben

Eigentlich erzähle ich niemanden, dass ich mich vegan ernähre. Nur, wenn ich es muss (weil ich sonst z.B. nichts Vernünftiges zu essen bekomme) oder wenn es sich im Gespräch so ergibt, dann mache ich das. Ich denke, das ist meine Entscheidung, so zu leben und ich muss das vertreten und niemand sonst. Wenn aber jemand hört, dass ich mich vegan ernähre, sehe ich mich meist einem Heer von sogenannten Ernährungsexperten gegenüber, die meinen – während sie womöglich noch ihr Fast Food verzehren – mir erzählen zu müssen, wie ungesund und unnatürlich meine Form der Ernährung sei und überhaupt: die vielen Mängel, denen ich auf einmal ausgesetzt bin!

Ich finde, dass mittlerweile vegane Ernährung in vielen Bereichen angekommen ist. Wenn ich irgendwo essen gehe, auch im Urlaub und in anderen Ländern, habe ich immer ein starkes Bemühen gesehen, mir entgegen zu kommen und mir trotzdem etwas zu essen anbieten zu können. Das Ergebnis war häufig, dass manche andere Menschen neidisch auf mein Essen schielten und in ihren mehr oder weniger vorhandenen Bart murmelten: “Das möchte ich auch gerne”.

Umso erstaunter war ich, als ich jetzt für 2 Übernachtungen in einem Hotel im Schwarzwald eincheckte – Kurort, 4-Sterne-Hotel und ehemalige Schönheitsfarm mit Wellnessbereich. Vegan war offensichtlich – trotz vorheriger Anmeldung – ein Fremdwort und so manchen Kommentar hätten sie sich sparen können. Aber so rückte die Idee auf meiner Blogliste über Vorurteile veganer Ernährung gegenüber an oberste Stelle.

Und hier ist sie, die Liste über die unterschiedlichsten Kommentare zur veganen Ernährung:

  1. “Vegan? Das ist aber schwierig umzusetzen, das könnte ich aber nicht.”
Photo by Brooke Lark on Unsplash

Ja musst Du auch nicht. Wenn ich für mich die Entscheidung getroffen habe, vegan zu leben, dann ist es meine Entscheidung und mein Weg. Natürlich interessiert es mich, wie Du darüber denkst, aber ich mache meinen Weg nicht zur allgemein gültigen Lebensphilosophie. Ins Gespräch komme ich darüber aber schon gerne, wenn es sich ergibt, aber ich zwinge niemanden ein Gespräch über Veganismus auf, eher werde ich durch solche Aussagen genötigt, mich dazu zu äußern. Und schwierig umzusetzen? Wenn Du dich vernünftig und gesund ernähren willst, solltest Du dir auch ein wenig Wissen aneignen. Nichts anderes habe ich hier gemacht: mich mit veganer Ernährung auseinander- und entsprechend umgesetzt.

  1. “Aber wo bekommst Du denn Dein Eiweiss her?”

Aha, Du gehst offensichtlich davon aus, dass es nur tierische Eiweißquellen gibt. Das ist nicht der Fall. Kennst Du den überhaupt pflanzliches Eiweiß , auf das Du zurückgreifen könntest?

Wenn nein, hier eine kleine Liste der besten pflanzlichen Eiweißquellen: Kichererbsen, Linsen (bevorzugt rote, Beluga oder Berglinsen), Bohnen (grün, weiß, Kidney-, Mungo-, Wachtel-,Sojabohnen u.a.), gekeimt, gekocht; natürlich Tofu in jeglicher Form, Haferflocken, Quinoa, Buchweizen, Nüsse, Amaranth, Sonnenblumenkerne, Chiasamen, Süßlupine,Hanfprotein, um nur einige zu nennen. Du weißt bei einigen Lebensmitteln, die ich gerade aufgezählt habe, nicht, was das ist? Kein Problem. Es gibt mittlerweile genug Kochbücher oder andere Quellen, in denen Du dich genauer informieren kannst. Oder aber Du probierst sie einfach aus und bist sicher überrascht, was Du bisher alles verpasst hast. Wusstest Du, dass der stärkste Mann Deutschlands, Patrik Baboumian, Veganer ist?

  1. “Da kannst Du ja gar nichts mehr essen.”
Bild: Geraldine Dukes auf Pixabay

Stimmt, es bleiben nur noch Grashalme und Steine übrig. Aber Scherz beiseite: Warst Du schon mal auf einer Veggie-Messe oder hast in einem veganen Kochbuch geblättert? Da sabber ich schon, wenn ich mir nur die Bilder anschaue. Für mich haben sich nach der Umstellung ganz neue kulinarische Welten aufgetan. Okay, ich musste mich erst mal mit anderen Lebensmitteln beschäftigen, aber ganz ehrlich: ich hungere nicht,es kommt nicht weniger auf meinen Teller, nur halt anderes.

  1. “Das ist doch viel zu teuer.”

Echt? Okay, wenn ich Ersatzprodukte konsumiere, dann ist das sicher teurer, aber Pasta, Bohnen, Hülsenfrüchte (siehe oben unter 2.) dazu noch regionales Gemüse und Obst ist erschwinglich. Im Vergleich dazu ist Fleisch und Käse fast schon teuer. Alternativen zu Marken von Pflanzendrinks gibt es mittlerweile auch in fast jedem Supermarkt, oder aber Du stellst es Dir selbst her.

  1. “Dein Sojakonsum zerstört die Regenwälder”

Natürlich wird Soja z.B. in Südamerika angebaut und Regenwald dafür gerodet, allerdings werden ca. 85 % der dort angebauten Sojabohnen für die (Massen) Tierhaltung in Form von Futter verwendet. Mit steigender Nachfrage an Fleisch steigt auch diese Form des Sojaanbaus und damit die Zerstörung von Regenwald. Ein weiterer großer (Rest-)Anteil wird zu Biodiesel oder Sojaöl verarbeitet. Die Firmen, deren Sojaprodukte ich konsumiere, achten darauf, Soja aus der EU zu verarbeiten. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass keine genmanipulierten Sojabohnen auf meinem Teller landen, da diese in Deutschland nicht als Lebensmittel zugelassen sind. In der Tierhaltung bzw. als Futtermittel allerdings schon, so dass Du, wenn Du Fleisch konsumierst, möglicherweise auch genmanipulierte Sojabohnen mitisst.

Bild: Voggacom auf Pixabay

Übrigens: 1 Kilo Sojabohnen ergeben ca. 2 Kilo Tofu, als Futtermittel verwendet ergibt dieselbe Menge Sojabohnen ca. 300 Gramm Schweinefleisch. Na, klickt es?

  1. “Veganer sind blass und sehen ungesund aus”

…weil sie kein Eisen zu sich nehmen!? Das ist der nächste Gedankengang, mit dem ich öfters mal konfrontiert werde.  Dabei ist Eisen auch in einigen der oben genannten Lebensmitteln wie Quinoa, Reis, Hafer, Hülsenfrüchten etc. Also auch hier gilt es, sich abwechslungsreich zu ernähren, wie in jeder Form der Ernährung.

Dabei vergessen die meisten Menschen, dass die Nährstoffe ursprünglich primär aus Pflanzen stammen. D.h. nicht nur als Veganer sondern generell solltest Du dich mit deiner Ernährung beschäftigen und wissen, was in welchen Lebensmitteln steckt. Bei Menschen, die sich konventionell ernähren, kommt niemand auf die Idee nachzufragen, ob genug Eisen im Blut nachweisbar ist. Und vegane Ernährung ist in der Regel doch abwechslungsreich und dadurch auch gesund.

  1. “Veganer haben B12-Mangel und müssen deswegen Nahrungsergänzungen zu sich nehmen”

B12 stammt aus Bakterien. Das heißt, wir nehmen normalerweise B12 über alles, was mit Erde in Berührung gekommen ist, auf. Durch Umweltveränderungen ist das aber nicht mehr möglich. Tieren in der Tierindustrie wird ebenfalls B12 substituiert, da sie auch nicht mehr mit Erde in Berührung kommen. Daher wird B12 indirekt über das Fleisch aufgenommen. Macht das irgendeinen Sinn?

In den USA leben beispielsweise 1% vegan, 39% der Aerikaner haben jedoch einen B12 Mangel. B12 Mangel ist also kein veganes Problem, sondern eher ein Zivilisationsproblem. 

Als Veganer solltest Du jedoch zusätzlich beachten, dass viele B12-Präparate nicht per se schon vegan sind, vielmehr musst Du darauf achten, ob eine Gelatinekapsel verwendet wurde, ob das B12-Pulver Laktose enthält oder sonst tierisches Protein.

  1. “Vegan ist doch nur ein Luxusproblem”

Mein (Ess-)Verhalten hat auch Auswirkungen auf die Menschheit / Welt. Wenn ich z.B. Fleisch esse, dann benötige ich Weizen, Mais, Soja als Futtermittel, was ja zumeist in sogenannten “ärmeren” Ländern produziert wird. Zudem wird Wasser zum Bewässern benötigt. Statt Nahrung für Menschen wird also Futtermittel für die Tierzuchten in den “reichen” Ländern produziert und exportiert. Somit sehe ich vegane Ernährung nicht als Luxusproblem sondern vielmehr als Antwort auf den Hunger in anderen Ländern und auf die Klimaveränderung.

  1. “Was haben die Pflanzen euch getan? Die haben auch Gefühle”

Ein Argument, bei dem ich schon fast versucht bin, mich umzudrehen und weiter zu gehen. Denn was passiert mit den Tieren in den Tierzuchten? Wird auf deren Gefühle bzw. Empfindsamkeit Rücksicht genommen? Vielmehr haben Pflanzen kein zentrales Nervensystem wie andere Säugetiere. Zudem frisst ein Tier ebenso Pflanzen. Außerdem sind Menschen auch auf die Nährstoffe aus den Pflanzen angewiesen. Wenn mir jemand mit so einem Argument kommt, sehe ich das in der Regel als vorgeschobenes Argument, um sich nicht mit dem eigenen Verhalten auseinandersetzen zu müssen.

  1. “Du isst meinem Essen das Essen weg”

Wenn mir jemand so kommt, dann finde ich jegliche Argumentation vergebliche Liebesmühe. Siehe Punkt 9

  1. “Gibt es eigentlich auch dicke Veganer?”

Eines vorneweg geschoben: Ich bin Lipödem Patientin (unkontrollierte Fettverteilungsstörung mit massiven Schmerzen) und bei unwissenden Ärzten habe ich über die Jahre hinweg immer wieder zu hören bekommen, dass ich zu klein für mein Gewicht sei, ich abnehmen und etwas an meiner Ernährung verändern müsse. Eine Ärztin fragte mich tatsächlich, als ich meinte, ich ernähre mich vegan, ob es denn auch dicke Veganer gebe. Ja, okay, wenn ich mich nur von Pommes ernähren würde, dann wäre das sicherlich auch vegan, aber weder gesund, noch für eine Gewichtsabnahme förderlich, aber das war ja nicht der Fall und ich merkte, dass in ihrem Kopf auch ein ganz bestimmtes Bild über Veganer vorherrschte.

Fazit

Also, bevor Du dich damit beschäftigst, ob Du vielleicht mal vegane Ernährung ausprobieren möchtest, sei gewiss, dass Dir all diese Fragen und vermeintliche Argumente entgegengebracht werden. Niemand redet über Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund der konservativen Ernährung oder über erhöhte CholesterinWerte oder Nährstoffmängel, weil man im Allgemeinen davon ausgeht, dass diese Form der Ernährung gesund ist. Generell ist zu sagen, dass eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung grundsätzlich wichtig ist, egal welcher Ernährungsform Du auch anhängst. Im Rahmen von Hunger in der Welt und Klimawandel kommt meiner Meinung nach aber niemand daran vorbei, sich mit dem Zusammenhang von Fleischkonsum auseinanderzusetzen und vielleicht doch so die eine oder andere Konsequenz für das eigene Verhalten daraus zu ziehen. 

Wie gesagt, ich will nicht missionieren oder überreden, aber durchaus zum Nachdenken anregen.

Bild: mittmac auf Pixabay

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